Abschalten
Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, was man eigentlich alles abschalten kann?
Neulich lag ich wieder einmal auf dem Sofa, die Hände mit den Handflächen nach oben nebeneinander abgelegt, um meinen Nacken und Rücken zu entspannen. Die Augen geschlossen, unter eine Decke gekuschelt, der Raum abgedunkelt. Ich hörte leise den Atem meiner Frau, die auf der anderen Seite des Sofas lag, und zusammen lauschten wir der sanften Musik. Wir warteten auf Johannes, genossen die Ruhe und den Duft von Palo Santo.
Vielleicht fragst du dich jetzt, was Palo Santo eigentlich ist. Palo Santo ist ein kleines Stück Holz, unscheinbar und still. Doch sobald die Flamme es berührt, erwacht sein Geheimnis. Sanfter Rauch steigt auf, umhüllt den Raum mit einem warmen, süßen, leicht harzigen Duft, wie Sommerregen auf trockener Erde. Seit Jahrhunderten nutzen Menschen Palo Santo, um zu reinigen, zu schützen und zur Ruhe zu kommen.
Vielleicht liegt seine Kraft nicht im Messbaren, sondern darin, dass es uns für einen Augenblick zurück in die Stille holt. Ein kleiner Funke, ein Atemzug Rauch und plötzlich scheint die Welt ein wenig friedlicher zu sein.
Als ich so auf dem Sofa lag und versuchte, abzuschalten, fragte ich mich, was man eigentlich alles abschalten kann. Zuerst dachte ich an technische Geräte: Smartphone, Computer, Fernseher. Aber auch an die Heizung, die wir in Kürze wieder aufdrehen müssen, oder den Strom, der so selbstverständlich da ist. Oder irgendwelche Maschinen, die uns am Leben halten. Aber darüber war jetzt wahrlich nicht der richtige Moment, nachzudenken.
Abschalten bedeutet manchmal auch, sich von Menschen zurückzuziehen. Ich kann Telefonate nicht annehmen, WhatsApp stumm schalten, Gruppentreffen absagen oder einfach mal auf Nachrichten nicht reagieren. Manchmal tut es gut, ein wenig Abstand zu nehmen. Aber ist mir damit wirklich geholfen, wenn ich mich isoliere?
Ich merke immer wieder, wie viel Ruhe entstehen kann, wenn ich äußerlich bewusst reduziere. Ich dimme das Licht, schalte Lärmquellen wie Radio oder offene Fenster ab, lösche Kerzen und Duftstäbchen, wobei wir in diesem Moment unser loderndes Hölzchen natürlich bewusst nicht ausmachen wollten. Manchmal hilft es, Bewegung, Arbeit oder Essen zu unterbrechen und einfach kurz innezuhalten.
Abschalten kann auch bedeuten, sich von all dem loszulösen, was uns unaufhörlich von außen antreibt: von der ständigen Leistungsoptimierung, vom nie endenden Konsumdruck, von Trends und Hypes, die uns in Bewegung halten, selbst wenn wir stehen bleiben wollen, von der Flut politischer Nachrichten und den vielen wirtschaftlichen Sorgenberichten, die uns Tag für Tag beschäftigen.
Abschalten bedeutet für mich aber auch, tief nach innen zu gehen und loszulassen, nicht die Welt da draußen, sondern das, was ich in mir trage. Erwartungen an mich selbst, die mich antreiben und zugleich ermüden. Verluste, die ich nicht ändern kann, die mich aber noch festhalten. Den ständigen Wunsch, alles kontrollieren zu wollen, obwohl das Leben sich doch ohnehin seinen eigenen Weg sucht. Die Angst, etwas zu verpassen, während das Wertvollste oft schon da ist. Vielleicht sogar die unaufhörliche Suche nach einem tieferen Sinn. Manchmal darf ich einfach nur sein, ohne Antworten finden zu müssen.
Doch das Schwerste am Abschalten ist für mich nicht der Lärm draußen, sondern der Lärm in meinem Kopf. Ich kann das Handy stumm schalten, die Tür schließen, sogar das Licht dimmen, aber meine Gedanken finden immer einen Weg, wach zu bleiben. Es sind diese endlosen Schleifen aus Dauergrübeln, die nicht zur Ruhe kommen wollen. Die leise, manchmal auch laute Selbstkritik, die mich an alte Fehler erinnert. Die To-do-Listen, die „Ich muss noch schnell …“-Gedanken. Sorgen um Gesundheit. Meine eigene und die anderer. All das mischt sich zu einem unaufhörlichen Strom.
Abends, wenn ich eigentlich schlafen möchte, kreisen die Gedanken oft noch schneller, als hätten sie Angst, vergessen zu werden. Perfektionismus macht es nicht leichter, genauso wenig wie Erinnerungen an Streit oder unausgesprochene Worte. Und dann dieser Druck, den Erwartungen anderer aber auch gegenüber mir selber gerecht zu werden. Abschalten im Kopf, das ist mein größtes Lernfeld, vielleicht sogar meine größte Herausforderung.
Als ich so da lag, musste ich an Peter Urban denken. Diese markante Stimme, die viele Jahre den Grand Prix Eurovision de la Chanson, heute Eurovision Song Contest, kommentierte. Viele, wir eingeschlossen, haben damals zum Teil nur wegen dieses Kommentators eingeschaltet. Was eine Stimme doch ausmachen kann.
Ähnlich geht es uns seit einiger Zeit bei einer besonderen abendlichen Meditation. Was mir und meiner Frau dabei besonders hilft, sind die von Johannes Förster, dem Gründer der Entspannungshelden. Seine Stimme, sanft, klar und zugleich tief in ihrer Präsenz, hat etwas Außergewöhnliches. Sie trägt einen fort, weg vom Gedankenlärm, und öffnet einen Raum, in dem man einfach nur sein darf. Johannes führt seine Meditationen mit so viel Wertschätzung, Wortgewandtheit, Bedacht und Wärme, dass es mich jedes Mal berührt.
Wir versuchen so oft wie möglich an seinen Kursen teilzunehmen und freuen uns jedes Mal darauf. Manchmal halte ich nicht bis zum Ende durch, aber genau diesen Druck nimmt er mir schon im Vorfeld. Er betont, dass es nicht schlimm ist, wenn man zwischendurch wegnickt oder aussteigt, weil die Wirkung trotzdem tief ins Unterbewusstsein geht. Und genau so fühlt es sich an.
In dieser Zeit kann ich komplett loslassen, selbst ich, der das sonst kaum kann. Eine einzige dieser Stunden reicht oft, um eine ganze Woche voller Druck, Gedanken und Erwartungen auszugleichen.
Für diesen Moment ist alles gut, genauso, wie es ist. Meine Frau und ich freuen uns jedes Mal auf diese Auszeit, und ich kann wirklich jedem ans Herz legen, es einmal auszuprobieren. Johannes hat eine ganz besondere Gabe und ist mit einer außergewöhnlichen Stimme gesegnet, die einen sanft ins Loslassen führt.
Vielleicht beginnt wahre Ruhe genau dort, wo wir aufhören, etwas tun zu müssen, und uns erlauben, einfach nur zu sein.
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