Alles hat seine Zeit

Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, gibt es viele Momente, die mir sofort wieder in den Kopf schießen. Eine ganz prägende Zeit war definitiv die beim Fußball. Angefangen hat alles mit sechs Jahren beim Post SV. Ich weiß noch genau, wie stolz ich war, als ich zum ersten Mal im Trikot auf dem Platz stand. Jeden Samstag Spiel, unter der Woche Training, das war einfach ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich habe das geliebt. Schon nach kurzer Zeit hat mein Vater das Traineramt übernommen, was das Ganze noch besonderer gemacht hat. Mein bester Freund Thorsten war auch mit an Bord. Wir beide waren ein eingespieltes Team, auf dem Platz wie auch daneben.

Damals konnte ich mir nie vorstellen, dass diese Zeit mal vorbei sein würde. Fußball war alles für mich. Doch wie so oft im Leben kommt irgendwann der Moment, wo sich Dinge ändern. Bei mir war das mit Beginn der Ausbildung. Plötzlich war die Zeit knapp, der Kopf voll, und das Training wurde zur Pflicht. Nach der Arbeit nochmal auf den Platz, am Wochenende ein Spiel, während man eigentlich nur noch aufs Sofa wollte. Der Spaß ließ langsam nach, und nach zehn Jahren habe ich aufgehört. Es fiel mir nicht leicht, aber rückblickend war es die richtige Entscheidung. Auch diese Zeit hatte eben ihre Phase.

Was danach kam, war das komplette Kontrastprogramm. Plötzlich wurde das Nachtleben mein neuer Sport. Partys, Discos, Clubs. Am Anfang nur am Wochenende, später war auch der Mittwoch dabei, dann der Donnerstag, der Freitag, der Samstag und ja, manchmal sogar der Sonntag. Ich bin damals auch ohne Probleme immer mal wieder alleine losgezogen, aber alleine war man eigentlich nie. Man kannte sich, man traf bekannte Gesichter, hatte Spaß, lachte, tanzte, redete. Wenn dann doch mal ein älterer Gast in der Disco war, sagte man scherzhaft: Der sieht aus wie der alte Joe Cocker. Damals habe ich mich gefragt, ob ich auch irgendwann der Typ sein würde, der fehl am Platz wirken würde. Es kam aber gar nicht so weit. Irgendwann hatte sich das alles von selbst gelegt.

Wenn man eine Partnerin oder einen Partner hat, verändert sich sowieso vieles. Die Nächte in der Disco werden ersetzt durch gemeinsame Abende, durch ruhige Wochenenden, Spaziergänge, Ausflüge, Serienabende. Man hat plötzlich gar nicht mehr das Bedürfnis nach lauter Musik und blinkenden Lichtern. Ich frage mich heute, wie ich es damals geschafft habe, die ganze Nacht unterwegs zu sein und am nächsten Morgen halbwegs fit zur Arbeit zu erscheinen. Heute freue ich mich eher über einen ruhigen Sonntag mit einem Tee auf dem Balkon.

Auch mein Freundeskreis hat sich verändert. Früher waren wir eine riesige Truppe. Es gab kaum ein Wochenende, an dem wir nicht gemeinsam unterwegs waren. Aber nach und nach kamen Kinder dazu, Familien, Verpflichtungen. Man traf sich seltener, schreibt sich heute ab und an mal, verabredet sich vielleicht für ein Grillfest im Jahr. Auch das gehört dazu. Es war eine intensive Zeit, die ich nicht missen möchte, aber sie hat sich gewandelt. Alles hat seine Zeit.

Das merkt man auch im Berufsleben. Früher haben wir in der Firma viel zusammen erlebt. Weihnachtsfeiern, Polterabende, Sommerfeste, da war immer was los. Es wurde viel gelacht, Geschichten aus dem Urlaub erzählt, Fotos gezeigt. Doch auch das änderte sich. Kollegen gehen, neue kommen, manche wechseln die Firma, andere gehen in Rente. Und plötzlich merkt man, dass man selbst zu den wenigen gehört, die schon lange dabei sind. Die Feste werden seltener, der Kreis kleiner. Auch dieser Abschnitt verändert sich, und irgendwann kommt der Tag, an dem man selbst den wohlverdienten Ruhestand antritt.

Mein Sportclub war auch so ein Kapitel. Jahrelang waren wir dort, haben gemeinsam trainiert, geschwitzt, gelacht. Als er dann plötzlich geschlossen wurde, war das ein richtiger Einschnitt. Was machen wir jetzt, dachten wir. Aber dann sind wir einfach morgens vor der Arbeit schwimmen gegangen. Das war eine schöne Zeit. Neue Routine, neue Leute, andere Atmosphäre, aber auch das hat funktioniert. Doch auch die Schwimmhalle machte irgendwann für eine längere Zeit dicht. Wieder eine Umstellung. 

Heute sind wir in einem neuen Sportclub. Nur eine Handvoll Gesichter von früher sind geblieben. Alles andere ist neu. Neue Kulisse, neuer Stil, neue Dynamik. Anfangs ungewohnt, aber mittlerweile passt es wieder. Auch hier gilt: Alles hat seine Zeit.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, sehe ich viele verschiedene Phasen. Jede für sich besonders, jede mit ihren eigenen Höhepunkten, aber keine davon dauerhaft. Und das ist vielleicht auch gut so. Man entwickelt sich weiter, die Umstände ändern sich, das Leben geht neue Wege. Manche Dinge gehen, andere kommen. Wichtig ist, dass man sich möglichst nicht dagegen wehrt, sondern die Veränderung annimmt. Denn am Ende macht genau das das Leben aus.

Alles hat seine Zeit und jede davon hat ihren Wert.

 

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https://erlebnisreicher.de/lornsenstrasse-52-60/