Am Ende kackt die Taube
Nein, ich habe mich nicht verschrieben bei meiner Überschrift. Natürlich weiß ich, dass es eigentlich heißen muss, am Ende kackt die Ente. Schließlich stammt diese Redewendung von meinem Lieblingssportreporter, der ja auch bei vielen anderen Gelegenheiten im Fernsehen zu sehen ist, Frank Buschi Buschmann. Er wird mir nebenbei erwähnt bei der nächsten Staffel von Ninja Warrior Germany sehr fehlen.
Ob Entenkacke genauso ätzend ist wie von Tauben, kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich schon.
Ich hatte ja in meinen Beiträgen bereits mehrfach erwähnt, dass die kalte Jahreszeit nicht so meine Lieblingsmonate sind. Da schwitze ich doch lieber, als vor Kälte zu zittern. Jedes Mal, wenn wir nach Hause kamen, in unsere kuschelige Wohnung, die ja teilweise auch nur 19 Grad hatte, siehe meine beiden letzten Blogbeiträge, war ich so froh, ein Dach über dem Kopf zu haben.
Ich dachte an die armen Menschen, die ich manchmal auf dem Heimweg auf der kalten Straße sitzen sehen habe, die es nicht so gut hatten. Was für ein grässlicher Gedanke. Nach dem Abendessen, gefühlt rund und zufrieden, machten wir es uns auf dem Sofa bequem. Nach einer Weile ist die Luft dann irgendwann etwas abgestanden und ich öffnete die Balkontür.
Als ich meinen Kopf hinaushielt und den wunderschönen Vollmond bestaunte, war da plötzlich ein Geräusch. „Ruu-Ruu-Ruu“! Ich schaute mich um, aber ich sah rein gar nichts. Also griff ich nach meinem iPhone und sprach, als wäre ich Harry Potter, den Zauberspruch: „Lumos an“. Im Gegensatz zu Harry wurde jedoch nicht mein Zauberstab, sondern mein Smartphone hell, also die Lampe wurde eingeschaltet. Ich leuchtete also den Balkon aus und da sah ich sie, oder ihn? Eine Taube hatte es sich auf unserer Holzwand, die als Sichtschutz dient, bequem gemacht. Sie öffnete lethargisch die Augen, schloss sie wenige Sekunden wieder und vergrub ihr Gesicht in ihren Federn. Irgendwie ja niedlich, wie sie sich bei der Kälte bei uns Unterschlupf gesucht hatte.
Leise schloss ich die Tür wieder und berichtete meiner Frau mit gesenkter Stimme von unserem Untermieter. Wir dachten uns nichts weiter bis zum nächsten Tag.
Als ich morgens die Balkontür öffnete, war die Taube weg. Allerdings hatte sie etwas dagelassen. Auf dem Holz schaute mich festgeklebter Taubenkot an, und auch auf dem Boden hatte sie ihr Geschäft gemacht. Bei den eisigen Temperaturen kann man den natürlich nicht mal so einfach wegwischen, der war ja tiefgefroren.
Mein Mitleid für sie verschwand, und ich dachte, blödes Vieh! Komm ja nicht wieder.
Nächster Abend, es wird langsam dunkel, minus acht Grad. Ich öffnete etwa das achte Mal die Balkontür, und da saß sie tatsächlich wieder. Hatte es sich auf ihrem Lieblingsplatz wieder gemütlich gemacht. „Verschwinde“, rief ich dieses Mal ohne Mitleid zu haben, angesichts ihrer Hinterlassenschaften. Sie hob nur müde den Kopf und schaute mich an. Ich wedelte mit beiden Händen, nichts passierte. Na gut, dachte ich, du willst Ärger. Ich schaute mich auf dem Balkon um und sah unsere Sprühflasche mit Wasser, mit der wir im Sommer unseren Blumen eine kühle Brise bescherten. Ich griff nach ihr, dachte kurz nach. Irgendwie ja fies bei den Temperaturen, aber sie hat es nicht anders gewollt. Ich drückte mehrfach durch. Was ich natürlich nicht bedachte, war, dass das Wasser darin selbstverständlich gefroren war. Ich könnte schwören, in diesem Moment hat die Taube gegrinst. Können Tauben grinsen, dachte ich genervt.
Ich nahm unseren eingepackten Sonnenschirm und fuchtelte vorsichtig damit vor ihr herum. Sie reagierte immer noch nicht. Dann stupste ich sie ganz leicht damit, wieder nichts. Dann etwas heftiger und rief: „Verschwinde endlich!“ Das zeigte endlich Wirkung, und sie flatterte endlich davon.
Als wir zu Bett gingen, öffnete ich die Tür abermals, und wer saß da? Die Taube, sie schlief. Ich war müde und hatte keine Lust mehr auf eine weitere Konfrontation. Außerdem war es so kalt draußen, und mein gutes Gemüt kam schon wieder durch.
Am nächsten Tag ging ich neugierig als Erstes zum Balkon und schaute nach dem Rechten. Taube war verschwunden, aber ihre Hinterlassenschaften waren deutlich mehr geworden. Die Fußmatte, der Holzboden, das Fenster, der Sichtschutz, überall hatte sie ihre Spuren hinterlassen. Warum ich immer „sie“ sage, kann ich an dieser Stelle mal erwähnen, weiß ich auch nicht. „Er“ hätte vermutlich noch mehr gekackt, um es mal auf den Punkt zu bringen.
Genervt nahm ich einen Draht und versuchte, ihn provisorisch auf ihrem Lieblingsplatz zu befestigen in der Hoffnung, dass es sie stören würde. Aber mitnichten. Abends saß sie gemütlich und zufrieden neben dem Draht und grinste anscheinend erneut.
Jetzt reicht es, dachte ich, und machte mich bei Amazon schlau. Es gibt eine Menge Möglichkeiten, um diesen lästigen Untermietern eine Räumungsklage zu verpassen. Ein ganzes Netz um den Balkon zu sichern kam nicht in Frage, schließlich wollten wir ihn ja auch selbst im Winter mal nutzen, wenn auch nur zum Kühlen von Speisen und Getränken.
Was ich bestellte, machte für mich am meisten Sinn. Es sind Plastikschienen, auf die man lange Dornen befestigen kann. Sie sind oft an Bushaltestellen oben auf den Anzeigen zu sehen. Voraussetzung war natürlich, dass Roswita, so nannte ich sie seit ein paar Tagen, sich nicht aufspießt beim Landeversuch. Das war unmöglich, da diese Dornen weder spitz noch wirklich hart sind.
Als das Paket ankam, wartete ich aufs Wochenende, um bei Licht die Verteidigungsfront einzurichten. Da aber oben auf dem Holz alles voller gefrorener Taubenkacke war, war die Befestigung gar nicht so einfach. Mit doppelseitigem Klebeband hielt es so einigermaßen.
Zumindest bis Roswita am Abend ihren üppigen Po darauf platzierte und die Hälfte dieser Befestigung auf dem Boden lag. Mit einem Nagel versuchte ich wütend, die Schiene irgendwie festzubekommen, was mir einigermaßen gelang. Da, wo keine Kacke war, klebte ich so viele dieser Dornenschienen an wie ich konnte.
Endlich, das schien gewirkt zu haben. Als ich am nächsten Wochenende beruhigt sah, dass Roswita anscheinend umgezogen war, erschrak ich plötzlich, als jemand auf den Balkon kam. Es sah aus, als hätte diese Person vor, radioaktiven Müll zu entsorgen. Stattdessen war es meine Frau mit Handschuhen, Maske vor dem Mund und Schutzkleidung. Das schöne Wetter hatte sie verleitet, den Balkon in Ordnung zu bringen, und da ich Roswita vertrieben hatte, war ihr Anteil an Roswitas Hinterlassenschaften zu beseitigen.
Seit ein paar Tagen schaue ich immer mal wieder raus. Die Dornenschienen, die mit Klebeband fixiert waren, sind schon wieder fast alle mehr oder weniger abgegangen. Jetzt müssen schnell die passenden Nägel oder Schrauben organisiert werden, bevor sie wieder einzieht.
Am Ende kackt die Ente, nicht die Taube. Der Mensch ist eben schlauer oder auch nur besser ausgestattet als das Tier. Zumindest bis Roswita wiederkommt. Fortsetzung folgt dann (hoffentlich nicht).