Wenn der Horizont den Terminkalender sanft übermalt

Eines meiner Lieblingsthemen in meinem Blog ist das Thema Urlaub.

Sicherlich für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Wobei, dazu muss man heutzutage ja leider besondere Einschränkungen machen. Denn was für viele völlig normal ist, ist für ebenso viele nur Wunschdenken.

Nicht jeder kann sich in diesen Zeiten Urlaub und damit einen verbundenen Tapetenwechsel überhaupt noch leisten. Viele sparen sich ab und bemühen sich, sind fleißig, aber am Ende reicht es dann doch nicht.

Urlaub ist auch in den letzten Jahren sehr viel teurer geworden. Klar, alles ist teurer geworden, aber ich habe das Gefühl, hier langt man noch einmal richtig hin.

Wenn ich mich richtig erinnere, sind wir mit Beginn der Corona Pandemie 2020 das erste Mal nach Fuerteventura geflogen. Zehn Tage in einem Hotel all inclusive. Wir haben knapp unter 1000 Euro pro Person bezahlt. Dieses Jahr waren es für das gleiche Hotel und die gleiche Reise bereits über 1600 Euro. Ist doch verrückt, oder. Und wenn man das mal zwei nimmt, sind das 3200 Euro. Rechnet man die Flüge runter, sagen wir für uns beide 600 Euro, bleiben 2600 Euro übrig. Das heißt, man zahlt pro Übernachtung 260 Euro, das ist der Hammer. Und das ist kein Luxushotel. Ein gutes Vier Sterne Hotel, aber 260 Euro pro Tag, unfassbar.

Trotz dieser Entwicklung versuchen wir, wenn es möglich ist, jeden Urlaub ganz bewusst zu genießen und jeden Moment mitzunehmen. Genau das verbindet den Gedanken an steigende Preise mit der Frage, was einem wirklich wichtig ist.

Die meisten Menschen versuchen in ihrem Leben möglichst viel mitzunehmen. Jedes Jahr, jeden Tag, jeden Moment. Das müssen nicht immer materielle Dinge sein. Fast alles im Leben ist zwar mit Kosten verbunden, aber es gibt zum Glück auch Dinge, die man machen kann, die nichts kosten.

Dir fällt nichts ein, was du gerne machen möchtest und kein Geld kostet. Mir fallen da eine Menge Möglichkeiten ein.

Ein Spaziergang in der Natur, ein tiefes ehrliches Gespräch, in den Himmel schauen, Musik in Gedanken hören, Dankbarkeit spüren, kreativ sein, ein Kompliment geben, bewusst atmen, Tagträumen, jemandem helfen, ein Lächeln teilen, barfuß über Gras laufen, den Duft von Regen einatmen, Stille genießen, gemeinsam lachen, zusammen kochen mit dem, was man zuhause hat, alte Erinnerungen teilen, zusammen Spiele ausdenken, sich umarmen, als Single eine neue Route entdecken, allein ein kleines Abenteuer wagen, gemeinsam Sterne beobachten und miteinander einfach nur im Moment sein.

All das erinnert mich jedes Jahr daran, warum wir im Urlaub möglichst viel aus jedem Tag herausholen wollen. Nicht, weil wir Stress suchen, sondern weil wir die Zeit bewusst leben möchten.

So versuchen wir generell, möglichst früh am Urlaubsort zu sein, um etwas vom Tag zu haben. Gesagt, getan. Um 10.30 Uhr stiegen wir auch dieses Jahr in Puerto del Rosario auf Fuerteventura aus dem Flugzeug. Schnell noch den Mietwagen übernommen und schon begann der Urlaub bei etwa 23 Grad. Einfach herrlich.

Auf dem Weg zum Hotel machen wir an einer kleinen Einkaufspassage Stopp. Wie immer wurden wir in einem unserer Lieblingsläden fündig. Sogar für mich war etwas dabei und auch ein Mitbringsel für meine Mama wurde gefunden. Besser kann der Urlaub nicht beginnen.

Mittags im Hotel angekommen konnten wir gleich das Buffet ausnutzen und unter freiem Himmel genießen. Kurz die Koffer in die Ecke gestellt und ab an den Pool. Abends ein Spaziergang, den Sonnenuntergang genießen, wieder essen und danach ohne Dach über dem Kopf die abendliche Show anschauen. Ein paar Drinks an der Bar und müde fielen wir ins Bett.

Da wir beide Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge lieben, wollten wir möglichst keinen einzigen verpassen. Das Fantastische ist, man kann in Morro Jable morgens am Strand direkt in den Sonnenaufgang spazieren und wenige Schritte weiter von einer Düne aus den immer wieder sehenswerten Sonnenuntergang genießen. Natürlich ist für alles das richtige Timing entscheidend.

Wenn das Wetter es zulässt, also nicht zu heiß ist, gerne etwas bewölkt, aber möglichst trocken, wird die Insel erkundet. Da wir beide gerne wandern und neue Orte entdecken, sucht meine Frau Touren und Ausflugsziele heraus. An vielen Tagen brachten wir so über 30 Kilometer auf die Uhr.

Der Tag war also verplant, wenn auch komplett flexibel einzuhalten. 6.40 Uhr vibrierte der Wecker an meiner Uhr, noch einmal auf Schlummern drücken und kuscheln, dann nach etwa zehn Minuten aufstehen, frisch machen und raus an den Strand. Etwa fünf Kilometer spazieren, danach das Highlight des Tages, ein erfrischendes Bad im Atlantik bei 21 Grad. Natürlich so, wie Gott uns schuf. Badeklamotten werden nur am Pool getragen.

Ab 8.45 Uhr wartete das Frühstücksbuffet auf uns. Wenn wir uns für einen relaxten Tag entschieden, ging es danach raus, eine Liege einnehmen. Mit Blick aufs Meer, ein Traum. Um 10.30 Uhr gab es eine halbe Stunde Sport wie Pilates oder Yoga. Darauf verzichtete ich dankend, meine bessere Hälfte nahm aber teil.

Um 11 Uhr öffnete die Poolbar und sie brachte auf dem Rückweg das erste Getränk mit. Da um 12 Uhr im Pool Aqua Jogging stattfand und wir vor dem Mittag noch eine Runde schwimmen wollten, gingen wir gleich nach 11 Uhr in den Pool. Schnell wieder raus, bevor der Animateur zur Teilnahme einlud, und wieder relaxen. Ab 13 Uhr war das Restaurant bereit und auch wenn Frühstück und ein Zwischensnack noch nicht lange zurücklagen, hatten wir meistens schon wieder Appetit. Zumindest eine Kleinigkeit.

Nach dem Mittag fielen mir oft die Augen zu. Um 16 Uhr fand Poolbiking statt. Dazu wurden Fahrräder in den Pool gestellt und wer wollte, konnte 45 Minuten ein Programm absolvieren. Dazu hatten wir beide keine Lust. Wenn das beendet war und der Pool wieder frei war, schwammen wir noch eine Runde, bevor es aufs Zimmer ging zum Duschen und Fertigmachen für den Abend.

Um 18 Uhr wartete unser Platz an der Düne mit dem Abendprogramm, dem Sonnenuntergang. Danach bummelten wir in aller Ruhe durch Morro Jable, genossen die Atmosphäre, vorbei an den vielen kleinen Restaurants und an den fröhlichen Menschen.

Manchmal schlenderten wir durch die Einkaufsstraße, gingen hier und dort in die Läden oder spielten Airhockey oder Basketball gegeneinander oder ich versank in meiner Vergangenheit und schoss Aliens ab bei Space Invaders auf einem riesigen Bildschirm, herrlich.

Zurück im Hotel gab es einen Aperitif vor dem Abendessen. Wenn wir Lust hatten, blieben wir sitzen und ließen uns ab 21 Uhr von der täglichen Show unterhalten.

Einige Tage liefen so ähnlich ab, an anderen waren wir mit dem Auto unterwegs und meistens erst am späten Nachmittag oder Abend zurück.

So vergingen die Tage genauso, wie wir es mögen.

Für einige hört sich das nach Stress im Urlaub an. Ja, wenn man möglichst viel mitnehmen möchte, spielt die Zeit immer eine Rolle. Natürlich könnte man auch in den Tag hineinleben und nur genießen und sich die Sonne auf den Bauch brennen lassen. Aber wir lieben den Ablauf, selbst das frühe Aufstehen.

Denn für uns übermalt der Horizont tatsächlich den Terminkalender sanft.