Du kunst ma amoi oana ausgeb’n
Wenn ich früher auf das Wort Kunst angesprochen wurde, musste ich sofort an den Satz „Du kunst ma amoi oana ausgeb’n“ denken.
Ich konnte es zwar nicht wirklich so aussprechen, wie es sein soll, aber im Kopf hörte es sich fast richtig an. Auf Hochdeutsch heißt das natürlich: Du kannst mir mal einen ausgeben.
Mit echter Kunst, also Gemälden, Plastiken und ähnlichem, konnte ich eigentlich nie viel anfangen.
Das hat sich jedoch seit einigen Jahren geändert. Schon vor längerer Zeit waren wir im weltberühmten Guggenheim Museum in New York, und ich war fasziniert. Nicht nur das Gebäude von außen beeindruckt, auch von innen ist es ein Genuss, seine Runden zu drehen. Schon damals waren dort Werke von unschätzbarem Wert zu sehen.
Im letzten Jahr besuchten wir die NordArt. Sie ist zwar nicht mit dem Guggenheim Museum zu vergleichen, aber dennoch unbedingt sehenswert. Kennst du die NordArt schon oder warst du bisher noch nicht dort?
Die NordArt ist weit mehr als eine Ausstellung, sie ist ein Gesamtkunstwerk. Jedes Jahr verwandelt sich das Gelände der historischen Carlshütte in Büdelsdorf in ein monumentales Forum für internationale Gegenwartskunst. Über 200 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt zeigen Malerei, Skulpturen, Installationen, Fotografie und Medienkunst. Die Mischung aus Industriecharme, Weite und Vielfalt ist beeindruckend.
Auf über 20.000 Quadratmetern Hallenfläche, im weitläufigen Skulpturenpark und in der umgebenden Auenlandschaft entsteht eine begehbare Welt der Kunst. Still, überraschend, laut, politisch und poetisch.
Was die NordArt besonders macht: Sie bietet kuratierte Vielfalt. Kein Messeflair, kein Kommerz, sondern eine künstlerische Erzählung, die sich jedes Jahr neu entfaltet. Jede Ausstellung steht unter einem thematischen Schwerpunkt, ergänzt durch einen Länder- oder Fokusgast, der besondere Perspektiven einbringt.
Ein Erlebnis für Kopf, Herz und Kamera.
Die NordArt lädt nicht nur zum Betrachten ein, sondern zum Eintauchen. Werke stehen nicht isoliert, sondern treten in Dialog mit Raum, Licht, Zeit und Betrachter. Man wandelt durch alte Gießereihallen, über Wiesen, an Teichen vorbei und staunt über politische Statements, zarte Formen, raumgreifende Skulpturen und stille Momente.
Teilweise sind riesige Wasserbecken installiert, und ich liebe den Geruch von Chlor. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken, und man muss aufpassen, nichts zu verpassen. Manche Werke ziehen einen lange in den Bann, weil sich immer wieder neue Details offenbaren. Es ist schön zu erleben, wie begabt und talentiert Menschen sind und mit wie viel Freude ihre Werke entstehen.
Ein Besuch der NordArt ist wie ein Gespräch mit der Welt, geführt in der Sprache der Kunst. Man muss es erlebt haben. Vielleicht ist es auch dein Einstieg in diese Welt.
Bereits eine Woche später stand wieder Kunst auf unserer Agenda, diesmal in Hamburg.
Mitten in der HafenCity, unweit des Wassers und in Sichtweite der modernen Architektur des Überseequartiers, öffnet sich mit dem Port des Lumières eine neue Tür zu Kunst, Licht und digitaler Fantasie. Seit der Eröffnung am 8. April 2025 ist dieser Ort nicht einfach ein Museum, sondern eine Erlebniswelt, in der Kunst, Technik und Emotion verschmelzen.
Schon beim Betreten spürt man, dass dies kein klassisches Galeriehaus ist. Das Gebäude greift maritime Elemente auf. Die Fassade erinnert an Schiffsbauten, und ein imposanter Schiffsbug in der Haupthalle schafft sofort eine Verbindung zur Hafenatmosphäre.
Die Räume bieten hohe Decken und eine großzügige Architektur, ideal für das, was folgt: Lichtprojektionen, raumfüllende Bildanimationen und Klanglandschaften, die einen komplett umgeben.
Als wir eintraten, konnte man fast die Hand vor Augen nicht sehen. Besucher saßen auf Bänken, auf Kissen oder auf dem Boden. Auch auf der zweiten Etage standen viele Menschen. Nach einigen Momenten fanden wir die Orientierung wieder, suchten uns einen Platz und waren gespannt. Und wir waren sprachlos.
Es war wie ein lebendiges dreidimensionales Kino, in dem man anfangs gar nicht wusste, wohin man blicken sollte. Farben, Klänge, bewegte Bilder, überall geschah etwas anderes. Wir drehten uns im Kreis, saugten alles auf und vergaßen Raum und Zeit.
Aktuell verschmelzen hier mehrere Ausstellungsstränge zu einem Gesamterlebnis:
Gustav Klimt: Gold und Farbe
Die Goldene Periode Klimts wird durch Licht und Animation neu belebt. Bekannte Gemälde wie „Judith I“ oder „Die goldene Adele“ erscheinen in Bewegung und schaffen den Eindruck, durch das Wien um 1905 zu schlendern, allerdings in einer Traumwelt aus prunkvollem Gold, Ornamenten und Musik.
Hundertwasser. Auf den Spuren der Wiener Secession
Fantasie trifft auf Natur. Hundertwassers Liebe zu geschwungenen Linien, Farben und organischen Formen wird durch digitale Animation neu interpretiert. Die Werke verwandeln sich in lebendige Fragmente, in utopische Architektur- und Naturbilder, die den Betrachter umfassen.
Journey
Diese Ausstellung ist vielleicht die philosophischste: Eine Reise der Photonen, vom Licht, das unser Auge trifft, über den Sehnerv bis zu den Neuronen, in denen Bilder zu elektrischen Signalen werden. Multisensual gestaltet, macht sie erlebbar, wie Wahrnehmung überhaupt entsteht.
Als Technikfan interessierte mich natürlich, wie das alles funktioniert.
Über 1.700 Quadratmeter Ausstellungsfläche und 3.200 Quadratmeter Projektionsfläche bilden die Bühne für Lichtkunst. Mit rund 80 Videoprojektoren und 50 Audio-Verteilerpunkten entsteht ein rundum einzigartiges Erlebnis.
Port des Lumières ist mehr als Bilder anschauen. Hier wird Kunst spürbar. Sie fordert Augen, Sinne und Fantasie heraus und weckt Staunen. Vergangenes wie Klimt und Hundertwasser erscheint in neuem Licht, Zeitgenössisches wie „Journey“ regt zum Nachdenken über Wahrnehmung und Technologie an.
Zwei Wochen hintereinander Kunst. Unterschiedlicher hätten die Erlebnisse kaum sein können, und doch hatten sie etwas gemeinsam: Wir konnte abschalten, genießen, entdecken und Freude empfinden.
So verließen wir auch diesen Ort mit einem Staunen im Herzen, getragen vom Licht, umgeben von Farben und mit der Gewissheit, dass Kunst nicht nur gesehen, sondern tief empfunden werden kann.
Ich kann beide Ausstellungen nur wärmstens empfehlen.
Übrigens, hast Du bereits unsere Petition unterschrieben? Wenn nicht, mach es für die Betroffenen, mach es für eine gute Sache und mache es für mich persönlich.
Worum es genau geht kannst Du hier meiner extra dafür eingerichteten Seite entnehmen: