Ein akustischer Lichtblick
Wie findest Du den Titel? Ich mag ihn. Er klingt ein bisschen nach Hoffnung, ein bisschen nach Musik und vor allem nach genau dem, was ich in den letzten Tagen erlebt habe. Ein Lichtblick, der nicht vom Himmel gefallen ist, sondern durch die Ohren kam.
Kaum war mein letzter Blogbeitrag getrocknet, also die Tinte überspitzt gesagt noch nicht einmal ganz trocken, da wurde schon reagiert. Ich wusste ja, dass es eine Handvoll treuer Leser gibt, die meine Beiträge verfolgen. Dass allerdings auch Petrus dazugehört, war mir neu. Anders kann ich mir das nämlich nicht erklären.
Wochenlang beschwere ich mich über diesen schrecklich kalten Winter. Über minus acht Grad. Über klamme Finger. Über eine Wohnung, die eher an ein Kühlhaus erinnerte als an ein Zuhause. Und plötzlich werden aus minus acht Grad plus acht Grad. Einfach so. Als hätte da oben jemand meinen Blog gelesen, einmal zustimmend genickt und gesagt: Na gut, wir drehen mal ein bisschen am Thermostat.
Zufall? Vielleicht.
Ich nenne es Wirkung.
Noch in der letzten Woche hatten wir wieder Ärger mit unserem Vermieter. Sowohl im Wohnzimmer als auch im Homeoffice bekamen wir seit einiger Zeit maximal 19 Grad temperiert. Und ganz ehrlich, wenn man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, dann ist das einfach zu kalt. Als Schreibtischtäter bewege ich mich nun einmal nicht wie ein Paketbote, der Treppen rauf und runter rennt. Ich sitze. Ich tippe. Ich telefoniere. Und ich friere.
Die Beschwerde an den Vermieter hatte ich im letzten Blogbeitrag ja bereits erwähnt. Und ich habe tatsächlich unsere Rechtsschutzversicherung kontaktiert. Dort wurde mir ganz klar bestätigt, dass unabhängig vom Heizverhalten der Nachbarn eine gewisse Temperatur erreicht werden muss. 21 oder 22 Grad sind in Wohnräumen absolut angemessen. Punkt.
Und jetzt kommt der Teil, bei dem ich wirklich schmunzeln musste.
Mit Veröffentlichung meines letzten Blogbeitrags wurde es plötzlich wärmer. In genau den Räumen, in denen es vorher einfach nicht über 19 Grad hinausgehen wollte. Mittlerweile muss ich die Heizung sogar wieder runterregeln, damit ich nicht ins Schwitzen gerate. Zwei Pullover sind inzwischen einer zu viel. Und genau so soll es doch sein. Wir können die Temperatur nach Belieben einstellen. So wie es sein sollte. So wie es normal ist.
Manchmal frage ich mich wirklich, wer hier alles mitliest.
Doch damit nicht genug. Seit Sonntag, also zwei Tage nach meinem Blogbeitrag, passierte noch etwas anderes. Ich saß morgens im Wohnzimmer und dachte im ersten Moment, ich hätte ein Fenster offen gelassen. Es war plötzlich ein unglaublich lautes Vogelgezwitscher zu hören. So laut, dass ich wirklich irritiert war. Ich bin aufgestanden, habe nachgesehen, aber nein, alle Fenster waren geschlossen. Die Vögel waren einfach so laut, dass man sie durch die Scheiben hören konnte, als wären sie direkt im Raum.
Und das war wunderschön.
Es klang wie eine Melodie. Als würden sie sich gegenseitig Geschichten erzählen. Als wären sie gerade aus dem Urlaub zurückgekommen und hätten sich viel zu berichten. Ein fröhliches Durcheinander, das trotzdem harmonisch war. Ich stand da und habe einfach nur gelauscht. Es gibt Geräusche, über die ich mich nicht so freue. Umso mehr habe ich dieses Konzert genossen.
Das war mein akustischer Lichtblick.
Innerhalb weniger Stunden schien plötzlich auch der Schnee verschwunden zu sein. Eben noch alles voller Weiß. Und auf einmal war alles voller Sand. So viel wurde gestreut, ohne dass ich es wirklich wahrgenommen habe. Ich frage mich ernsthaft, wo dieser ganze Sand plötzlich herkommt. War der schon immer da und ich habe ihn nur unter der Schneedecke nicht gesehen? Fragen über Fragen.
Der Schnee scheint erst einmal Geschichte zu sein. Wobei wir uns nichts vormachen sollten. Bis April kann noch einiges kommen. Dieser Gedanke schafft es tatsächlich, meine aufkeimenden Glücksgefühle manchmal wieder ein wenig zu dämpfen. Aber im Moment sind es acht Grad draußen. Acht Grad. Das fühlt sich fast schon mild an.
Und dann höre ich im Radio, dass auf Mallorca bereits 19 Grad sind. 19 Grad. Und das ist nun wirklich nicht am anderen Ende der Welt. Da steht der Frühling doch praktisch schon vor der Tür und klopft an.
Überall zeigen sich die ersten Boten. Die Tage werden länger. Das Licht ist ein anderes. Es ist heller, freundlicher, weicher. Man merkt es sofort. Die Luft riecht anders. Nicht mehr nur nach Kälte und nassem Asphalt, sondern nach Aufbruch. Nach Neubeginn.
Bereits am Wochenende des 14. und 15. März findet in Husum das Krokusblütenfest statt. Im Mittelpunkt steht das lilafarbene Blütenmeer von über vier Millionen Krokussen im Schlosspark. Vier Millionen. Diese Zahl muss man sich einmal vorstellen. Ein Meer aus Lila, mitten im noch jungen Jahr. Am Samstag um 11 Uhr wird auf dem Marktplatz die Krokusblüten Majestät gekrönt. Allein der Gedanke daran zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.
Gerade habe ich einen Bericht darüber gehört, ob die Krokusse bis zum 14. auch wirklich in voller Blüte stehen werden. Natürlich kann das niemand mit Sicherheit vorhersagen. Die Natur hat ihren eigenen Kopf. Aber die Chancen stehen gut, auch wenn aktuell noch wenig davon zu sehen ist. Und selbst wenn die Hauptdarsteller noch ein wenig schüchtern sind, das Fest findet trotzdem statt.
Der 14. März ist nicht mehr lange hin. Wenn dann also noch kein Frühling da ist, weiß ich auch nicht.
Der Frühling ist für mich jedes Jahr ein kleines Wunder. Plötzlich sprießt es überall. Knospen platzen auf, als könnten sie es selbst kaum erwarten. Die Sonne gewinnt an Kraft. Menschen sitzen wieder draußen. Die dicken Jacken verschwinden langsam im Schrank. Man hört wieder Lachen im Freien, sieht Fahrräder, die aus dem Winterschlaf geholt werden. Alles wirkt leichter.
Und ich merke, wie sich auch innerlich etwas verändert. Mehr Energie. Mehr Lust, Dinge anzupacken. Mehr Optimismus. Als hätte nicht nur die Natur, sondern auch ich selbst einen Reset bekommen.
Natürlich weiß ich, dass im April noch einmal Schnee fallen kann. Dieser Gedanke schleicht sich immer wieder ein und versucht, meine Euphorie ein wenig auszubremsen. Aber ganz ehrlich, im Moment lasse ich mir das nicht verderben. Zu schön war dieses Vogelkonzert am Sonntagmorgen. Zu angenehm sind die acht Grad nach all den Minusgraden. Zu gut fühlt es sich an, die Heizung endlich so einstellen zu können, wie wir es brauchen.
Vielleicht war mein letzter Blogbeitrag also doch mehr als nur ein Ventil für meinen Frust. Vielleicht war er der kleine Anstoß, den es gebraucht hat. Für wärmere Räume. Für wärmere Temperaturen. Für ein bisschen Frühling im Herzen.
Wie geht es Dir gerade? Hörst Du auch schon die Vögel? Spürst Du dieses leise Kribbeln, dass sich etwas verändert? Oder traust Du dem Ganzen noch nicht so recht?
Ich für meinen Teil genieße diesen akustischen Lichtblick. Und hoffe, dass er nur der Anfang ist.