Es reicht
Es reicht wirklich.
Irgendwann ist auch mal gut. Dieser Winter hat sich offenbar vorgenommen, uns allen zu beweisen, dass er es doch noch kann, und zwar mit voller Wucht. Und ja, ich gebe es zu, ich habe mich in den letzten Jahren regelmäßig beschwert. Zu mild. Zu nass. Kaum Schnee.
Temperaturen, die eher an einen schlecht gelaunten Herbst erinnert haben als an einen richtigen Winter. Insekten, die fröhlich weiterlebten, als hätte jemand vergessen, den Jahreszeiten den richtigen Kalender zu geben. Wespen im Februar, als hätten sie ein Ganzjahresabo abgeschlossen.
Und jetzt friert man sich den Hintern ab.
Ich habe früher so oft davon erzählt, wie schön die Jahreszeiten einmal waren. Dass man sich auf Winter und Sommer verlassen konnte. Der Winter war kalt, richtig kalt, mit knackiger Luft, roten Wangen und Schnee, der nicht nach zwei Stunden wieder Matsch war. Weiße Weihnachten waren keine Seltenheit, sondern fast schon normal. Und im Sommer sechs Wochen Schulferien voller Sonne, Freibad, Eis am Stiel und Abenden, die einfach nicht enden wollten. Der Winter war früher ehrlich. Kalt, aber schön. Man konnte Schlittenfahren, Schneemänner bauen, mit klammen Fingern nach Hause kommen und sich dann mit Kakao wieder auftauen. Ich habe das alles in unglaublich guter Erinnerung.
Und die letzten Jahre waren dann eher Winter in der Light Version. Regen statt Schnee, Plusgrade, wo eigentlich Frost hingehört, graue Tage, die einfach nur genervt haben. Also habe ich gemeckert. Nicht zu knapp. Und jetzt zeigt mir der Winter in diesem Jahr, wie sehr ich mich offenbar geirrt habe.
Minus sieben, minus acht Grad, und das sogar hier bei uns, wo solche Temperaturen sonst eher die Ausnahme sind. Man kommt raus und friert sofort. Nicht dieses „Oh, frisch heute“, sondern dieses „Warum habe ich mein Leben nicht längst in wärmere Gefilde verlegt?“. Alles ist weiß. Ja, das sieht schön aus, aber es ist auch gnadenlos kalt. Und als wäre das nicht genug, wird unsere Wohnung einfach nicht warm.
Im Wohnzimmer sitzen wir inzwischen mit Decke, Wärmflasche und Heizkissen auf dem Sofa, als würden wir für die nächste Eiszeit trainieren. Keine 20 Grad. Im Homeoffice sieht es kaum besser aus, und glaub mir, mit Handschuhen lässt es sich wirklich schlecht tippen.
Aufgrund meiner Beschwerde beim Vermieter wurden zwei Techniker geschickt. Lasermessgerät an die Heizung gehalten, Ergebnis: Alles normal. Ich sitze aber ja nicht auf der Heizung, sondern am Schreibtisch. Und in den Räumen sind eben nicht einmal 20 Grad.
Nach mehreren Beschwerden kam dann heute endlich eine Antwort von unserer Hausverwaltung. Die Begründung: Die Nachbarn heizen wohl wenig und deshalb kommt bei uns auch nicht mehr Wärme an. Ach so. Na dann. Heißt das im Umkehrschluss, wenn der Nachbar unter mir weniger duscht, bekomme ich auch weniger Wasser? Muss ich mich demnächst mit dem ganzen Haus abstimmen, wann ich frieren darf und wann nicht? Unfassbar.
Ich muss doch in unserer Wohnung eine wohlige Temperatur erreichen können, auch wenn die Nachbarn im Urlaub sind oder sparen oder beschlossen haben, in der Arktis zu leben. Ich sehe mich ehrlich gesagt schon unsere Rechtsschutzversicherung einschalten.
Draußen wird es natürlich auch nicht besser. Was mir zusätzlich auffällt: Es wird immer weniger gestreut. Früher hat man überall Sand auf den Wegen gesehen, heute läuft man gefühlt nur noch über Eisplatten. Einige Wege werden geräumt, viele aber einfach sich selbst überlassen. Und ich denke da nicht nur an uns, die wir halbwegs fit sind, sondern vor allem an ältere Menschen oder Menschen mit Rollator. Für die ist das eine echte Tortur.
Selbst meine Frau ist schon ausgerutscht. Voll auf dem Eis gelandet. Ergebnis: ein riesengroßer dunkelblauer Fleck am Po, ich würde mal schätzen zehn bis fünfzehn Zentimeter Durchmesser. Sah beeindruckend aus, auf eine Art, auf die man gut verzichten kann.
Zum Glück gehen wir regelmäßig in die Cryo Kältekammer. Und ja, ich weiß, jetzt könnte man sagen: Auf der einen Seite meckere ich über die Kälte draußen und auf der anderen Seite stelle ich mich freiwillig bei minus 110 Grad in eine Kältebox. Klingt widersprüchlich, ist es aber gar nicht. Diese extreme Kälte wirkt entzündungshemmend, regt die Durchblutung an und bringt das Immunsystem ordentlich in Schwung. Wir machen das mindestens einmal pro Woche und haben wirklich das Gefühl, dass es uns guttut. Es ist wie ein kleiner Reset für den Körper, ein Frischekick, der einen einmal auf null zurücksetzt.
Das Studio bietet zusätzlich manuelle Kältetherapie an, und genau das kam bei dem blauen Fleck meiner Frau zum Einsatz. Wenige Behandlungen und das Ding war innerhalb kürzester Zeit fast komplett verschwunden. Wirklich beeindruckend. Ein echter Tipp für alle, die mit Prellungen, Schmerzen oder Entzündungen zu tun haben. Wenn Du dazu Infos möchtest, frag mich gerne, ich erzähle Dir mehr.
Trotzdem bleibt eins klar: Draußen Winter ist etwas völlig anderes als therapeutische Kälte. Draußen ist es einfach nur unangenehm. Man weiß morgens schon gar nicht mehr, was man anziehen soll. Zwiebellook reicht kaum noch. Mütze, Handschuhe, Schal, ohne geht es nicht mehr. Und selbst dann friert man.
Und irgendwo frage ich mich, wo die goldene Mitte geblieben ist. Erst jahrelang zu mild, jetzt gefühlt arktisch. Alles scheint irgendwie umgekehrt. Früher habe ich mich nach Schnee gesehnt, jetzt wünsche ich mir Temperaturen, bei denen einem nicht die Nasenhaare beim Einatmen gefrieren.
Ganz ehrlich, ich habe genug.
Ich sehne mich nach Frühling, nach Sonne, nach Tagen, an denen man die Jacke offen lässt. Nach Wärme, die nicht aus der Wärmflasche kommt.
Wenn ich könnte, würde ich den Winter inzwischen einfach überbrücken, am liebsten irgendwo, wo der Himmel blau ist und das Meer rauscht, zum Beispiel auf Fuerteventura. Sonne tanken, Vitamin D sammeln, keine vereisten Gehwege, keine kalten Wohnungen, kein Frieren im eigenen Wohnzimmer. Ein Traum.
Aber bis dahin sitze ich hier, eingewickelt wie eine Tiefkühlware, mit Heizkissen im Rücken und Tee in der Hand, und hoffe, dass dieser Winter bald merkt, dass er seinen Auftritt wirklich mehr als ausreichend geliefert hat.
Jetzt reicht es.
Mich würde interessieren: Wie geht es Dir damit? Magst Du noch Schnee und Kälte oder hast Du auch langsam genug? Sehnst Du Dich nach Frühling oder genießt Du das Winterwetter immer noch?
Schreib mir gerne.
Ich wärme mir derweil schon mal die nächste Wärmflasche auf.