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Fluxkompensator

Die eingefleischten Kinogänger und Filmenthusiasten, aber eigentlich fast jeder, der bereits ein paar Jahre auf dieser Erde weilt, kennt ein Wort, obwohl es das eigentlich gar nicht gibt.

Die Rede ist vom Fluxkompensator (engl. Flux Capacitor). Jetzt sag bitte nicht, Du hast das noch nie gehört!

Der Fluxkompensator ist wohl eines der berühmtesten Filmgeräte aller Zeiten. In der Filmreihe Zurück in die Zukunftmachte er Zeitreisen überhaupt erst möglich. Vorausgesetzt natürlich, der DeLorean erreichte exakt 88 Meilen pro Stunde und irgendwo ließen sich sagenhafte 1,21 Gigawatt Energie auftreiben. Ganz logisch also.

Das Verrückte an der Geschichte: Doc Brown kam die Idee für den Fluxkompensator nicht etwa im Labor. Er rutschte beim Aufhängen einer Uhr aus, stürzte, schlug mit dem Kopf gegen das Waschbecken und hatte dabei plötzlich die zündende Eingebung. Als er wieder zu sich kam, zeichnete er sofort den Fluxkompensator auf ein Blatt Papier. Man könnte also sagen: Ohne eine ordentliche Beule am Kopf hätte es die Zeitmaschine vielleicht nie gegeben.

Als der erste Film 1985 in die Kinos kam, ahnte niemand, welchen Kultstatus dieses leuchtende Kästchen einmal erreichen würde. Für viele wurde der Fluxkompensator zum Symbol dafür, dass mit einer guten Idee, einer gehörigen Portion Fantasie und einem leicht verrückten Wissenschaftler einfach alles möglich ist.

2008 hatte ich meine Idee vom Fluxkompensator, allerdings ohne mir eine Beule einzufangen.

Ich erinnere mich, als wäre es gestern. Meine Eltern wollten 2009 ihre goldene Hochzeit feiern. Natürlich war ich immer wieder am Überlegen, was denn das besondere Geschenk für sie wäre. Es sollte alles in den Schatten stellen. Damit hatte ich nicht an Protz gedacht, sondern an ein Geschenk, an das sie sich lange, im Idealfall ein Leben lang, erinnern sollten.

Ja, das war sehr hochgegriffen, aber genauso sollte es sein. Als wir eines Tages wieder in unserem alten Fitnessclub nach dem Sport im Wellnessbereich waren, ging ich meiner Lieblingsregenerationsübung nach. Ich dümpelte im warmen Pool und genoss die Schwerelosigkeit. Es war wieder einmal ein Traum. Apropos Traum: Ich hielt mich mit den Händen an der Brüstung fest und genoss eine der Unterwasserdüsen, die meinen Nacken sanft massierte. Anders als bei einer Thaimassage konnte ich die Augen schließen, alles genießen und ein wenig träumen. Der Wasserstrahl war recht laut, während ich waagerecht im Wasser lag und über das Geschenk für meine Eltern nachdachte.

Das Geräusch des Wasserstrahls erinnerte mich an irgendetwas. Ich überlegte, woran. Dann fiel es mir ein. Es hörte sich an wie in einem Flugzeug. Ich schloss die Augen und plötzlich hatte ich meinen Fluxkompensator-Moment. Eine Flugreise sollte das Geschenk werden. Und zwar in unsere damalige zweite Lieblingsheimat: Fort Lauderdale in den USA.

Ich sprang aus dem Wasser und erzählte sofort meiner Frau davon.

„Du willst Deinen Eltern einen Flug in die USA schenken?“

Okay, der Plan war noch nicht ausgereift. Flüge waren damals schon teuer, und für vier Personen ist das keine Kleinigkeit. Zu Hause begann ich sofort, nach einem passenden Termin zu suchen und die Preise zu recherchieren. Einen Flug zu verschenken und dann zu verlangen, dass die Beschenkten den Rest selbst bezahlen, machte ja eigentlich keinen Sinn. Also musste es schon das Rundum-sorglos-Paket sein, also zwei Flüge, Unterkünfte und gemeinsam mit uns ein Mietwagen. Ja, es kamen einige Kosten zusammen, aber das war es mir wert. Meine Frau finanzierte den Mietwagen komplett. Das war ihr Geschenk dazu, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Im Laufe der Planungen kamen wir dann auf die Idee, noch etwas Abwechslung für meine Eltern einzupacken. Diese Abwechslung waren meine Schwiegereltern, die die Idee am Anfang zwar verrückt fanden, dann aber ganz schnell dabei waren. So waren wir schließlich zu sechst.

Für ihre Kosten kamen sie selbstverständlich selbst auf. Sonst wäre das Ganze auch gar nicht mehr zu finanzieren gewesen und schließlich hatten sie ja auch keine goldene Hochzeit. Auf der Suche nach einem Haus in Florida wurde ich relativ schnell fündig. Drei Schlafzimmer, mehrere Bäder und ein eigener Pool. Das sah gut aus und war sogar bezahlbar. Wir nahmen Kontakt zur Eigentümerin auf und schrieben einige Male hin und her. Es war ein sehr netter Austausch. Wir mussten eine recht ordentliche Anzahlung leisten. Auf den Vorschlag, alles im Voraus zu bezahlen und dadurch ein paar Euro zu sparen, gingen wir allerdings nicht ein.

Im September 2009 sollte es losgehen. Im März waren wir bereits wieder einmal in Florida und irgendwann kam ich auf die Idee, uns das Haus schon einmal anzuschauen, wenn wir ohnehin in der Nähe waren. Wir gaben die Adresse in das Navi ein, aber irgendwie wollte es sie nicht so richtig finden. Wir fuhren trotzdem in die Straße und suchten die Hausnummer. Fotos vom Haus hatten wir ja, aber keines sah auch nur annähernd so aus. Nach einer Weile gaben wir auf.

Zurück in unserer Unterkunft schrieben wir der Vermieterin eine E-Mail und berichteten ihr von dem Fehler in der Adresse. Außerdem schrieben wir, dass wir noch vor Ort seien und am nächsten Tag gerne noch einmal vorbeikommen könnten.

Was soll ich sagen? Auch nach unzähligen E-Mails bekamen wir nie wieder eine Antwort. Die Anzahlung war futsch. Ich hatte ihr sogar von dem besonderen Anlass erzählt und trotzdem zog uns die Person am anderen Ende über den Tisch. Viel schlimmer wäre es allerdings gewesen, wenn wir nach einer langen Anreise spät am Abend mit unseren Eltern vor einer falschen Adresse gestanden und keine Unterkunft gehabt hätten. So war zwar Geld verbrannt, aber wir hatten noch genügend Zeit, eine Alternative zu finden.

Wir erzählten unserem Vermieter der Stadtvilla, in der wir immer ein Apartment mieteten, von dem Vorfall. Er war ebenfalls geschockt und bot uns nach kurzer Überlegung an, gemeinsam mit unseren Eltern die gesamte Villa zu einem Sonderpreis zu mieten. Ich wäre vorher nie auf die Idee gekommen, ihn danach zu fragen, weil ich ahnte, wie hoch der Preis normalerweise gewesen wäre. Mit dem Sonderpreis war es aber machbar.

Und so verbrachten wir zu sechst einen wunderschönen und unvergesslichen Urlaub. Orlando, Key West, Disney World, die Everglades mit einer Propellerbootfahrt und Alligatoren – wir haben alles mitgenommen. Wenn ich heute daran denke, wird mir ganz warm ums Herz.

Mein Fluxkompensator hat mich auf diese Idee gebracht und ich bin ihm sehr dankbar. Manchmal muss man sich nicht einmal eine Beule holen, um eine Eingebung zu bekommen. Es reicht schon eine sprudelnde Wasserdüse im Pool.

Vielleicht hat jeder seinen eigenen Fluxkompensator. Einen Moment, in dem plötzlich alle Gedanken zusammenpassen. Manche bekommen ihre Idee unter der Dusche. Andere beim Spaziergang. Doc Brown brauchte einen Schlag auf den Kopf. Bei mir genügte eine Wasserdüse im Pool.

Ich bin sehr dankbar, dass wir diese besondere Reise und diese besonderen Momente gemeinsam erleben durften.