Katastrophe
Als meine Frau letzten Mittwoch nach Hause kam, schien sie leicht angespannt zu sein. Panisch ist vielleicht das falsche Wort, aber sie wirkte schon ein wenig nervös.
Auf dem Weg nach Hause hatte sie einige Warnhinweise bekommen, die ich natürlich ebenfalls empfangen hatte. Alexa ist so eingestellt, dass sie bei Wetterwarnungen sowohl akustisch als auch visuell reagiert. Ihr Ring leuchtet dann gelb, bis man die Nachricht abgefragt hat. An diesem Tag schien sie fast permanent zu warnen, und ich überlegte bereits, die Benachrichtigungen zu deaktivieren.
Wetterwarnung vor Schnee, Eis, Blitzeis und schließlich vor dem nahenden Blizzard. Jetzt fragte sich vielleicht der eine oder andere, was genau ein Blizzard eigentlich ist. Darum erkläre ich es hier noch einmal:
Ein Blizzard ist ein besonders heftiger Schneesturm, der durch starken Wind, dichten Schneefall oder aufgewirbelten Schnee und extrem schlechte Sichtverhältnisse gekennzeichnet ist. Oft sinkt die Sichtweite auf wenige hundert Meter oder sogar fast auf null, sodass man kaum etwas erkennen kann. Die Temperaturen sind dabei meist sehr niedrig, was die Situation zusätzlich verschärft. Ein Blizzard kann auch auftreten, wenn gar nicht viel neuer Schnee fällt, da der starke Wind bereits liegenden Schnee aufwirbelt und durch die Luft treibt.
Die Folgen eines Blizzards können gravierend sein. Der Verkehr kommt häufig zum Erliegen, Straßen und Flughäfen müssen gesperrt werden, und es kann zu schweren Unfällen kommen. Durch die Kombination aus Kälte und Wind besteht eine hohe Gefahr von Erfrierungen. Stromleitungen können beschädigt werden, was Stromausfälle verursacht und ganze Regionen lahmlegt. Menschen können in ihren Häusern oder Fahrzeugen eingeschlossen werden, weshalb Blizzards als ernsthafte Naturgefahr gelten.
Zurück zu meiner Frau. Sie zeigte mir ihr Smartphone und überraschte mich mit einem Blick auf das Regenradar. Es war kein normaler Regen, sondern gefrorener, also Schnee. Eine beeindruckende Schneefront zog über Norddeutschland hinweg, direkt auf unser Zuhause zu. Eine riesige violette oder rosafarbene Wolke war nicht zu übersehen. Sofort gingen mir Katastrophenfilme durch den Kopf.
Sie schlug vor, am besten noch am selben Tag einkaufen zu gehen, da wir wahrscheinlich spätestens ab Freitag, vielleicht schon ab Donnerstag, nicht mehr rausgehen könnten. In den sozialen Medien waren bereits leere Regale in den Supermärkten zu sehen. Ich konnte es kaum glauben.
Am Wochenende zuvor hatte es bereits geschneit. Ich kann gar nicht sagen, wie viel Schnee genau bei uns herunterkam. Nach nur ein paar Stunden Schneefall wurden der Busverkehr eingestellt und die Bahn kündigte Verspätungen und Zugausfälle an. Am Abend gingen wir noch zum Yoga. Dicke Winterstiefel, Schal und Mütze waren angesagt, auch wenn ich zugeben muss, dass ich auf meinen eigenen Schutz größtenteils verzichtet habe, um meine Frisur nicht zu ruinieren. Tatsächlich habe ich sowohl den Hin- als auch den Rückweg überlebt.
Eigentlich machen Räumfahrzeuge die Straßen frei, doch weit und breit war kein Fahrzeug zu sehen. Am nächsten Tag wurde von einer Verantwortlichen erklärt, dass durch den permanenten Schneefall, der meiner Meinung nach vielleicht drei Stunden andauerte, die Mitarbeiter die Schneemengen nicht räumen konnten da sie immer wieder von vorne hätten anfangen müssen. Daher sollten sie sich ausruhen. Kann man machen.
Zurück zum Mittwoch vor dem Blizzard. Wir kauften alles ein, was wir am Wochenende benötigen würden. Vor dem Schlafengehen schaute ich zum Himmel. Der Mond schien mich anzulächeln und zu denken, mach dir da unten nicht ins Hemd. Irgendwie sah es nicht nach Schnee aus, aber vielleicht konnte ich ihn einfach nicht erkennen.
Donnerstag Morgen, der erste Blick aus dem Fenster: alles ruhig. Wieder kamen Warnhinweise, und meine Frau zeigte mir erneut das Regenradar. Jetzt war die Schneefront fast da. Es sah tatsächlich beeindruckend aus. In den Nachrichtensendern überschlugen sich die Meldungen. Nicht rausgehen, Homeoffice, wo immer möglich, und bevorraten, war die Devise.
Ich wartete darauf, dass wir Kerzen, Batterien, einen Gaskocher, Wasser und Toilettenpapier bereitlegen sollten. Ich war weiterhin entspannt. Irgendetwas zu essen hatten wir immer im Haus, einen Kasten Selter ebenfalls, und mindestens drei Supermärkte waren 2–3 Minuten zu Fuß erreichbar. Meine Frau wies mich darauf hin, dass leere Regale oder nicht zur Arbeit kommende Mitarbeiter nicht wirklich eine Rettung sein würden.
Freitag war gekommen, Blizzard. Morgens sah es ruhig aus. Ein paar Stunden später wurde es doch windig. Jetzt geht es los, dachte ich und überlegte, ob man im Ernstfall unter dem Tisch oder im Türrahmen Schutz suchen sollte. Der Himmel verdunkelte sich, was aber daran lag, dass ich das Rollo heruntergezogen hatte. Nichts von der angekündigten Schneekatastrophe war zu sehen. Wenn es nicht so kalt gewesen wäre, hätte ich sogar in Sandalen einkaufen gehen können.
Wir sagen das Wetter oft für eine Woche voraus, Reisewetter sogar bis zu 14 Tage, aber das Regenradar hatte anscheinend einen Geist statt einer nahenden Schneefront kommen sehen. Tatsächlich fielen die Schneemassen anderswo, aber hier war es einfach Winter, und Schnee ist zu dieser Jahreszeit normal. Dass bei solchen Verhältnissen sogar einige Schulen geschlossen wurden, erschien mir mehr als leicht übertrieben. Wenn Eltern ihre Kinder lieber zuhause lassen, ist das verständlich, aber gleich alles zu schließen?
Vielleicht sehe ich das nur so, weil ich die schlimme Schneekatastrophe 1978/79 überlebt habe. Damals war es wirklich heftig, viele Menschen kamen ums Leben, und trotzdem erinnere ich mich an den Spaß im Schnee. Teilweise war bis zur Nase darin versunken. Es war einfach herrlich.
Heute hingegen reagieren wir schon auf ein paar Schneeflocken, als würde die Welt untergehen. Vorsicht ist wichtig, keine Frage, aber vielleicht haben wir ein bisschen verlernt, uns auf das Unvorhersehbare einzulassen. Vielleicht ist es gar nicht schlecht, ab und zu ein paar Flocken als Abenteuer zu sehen, statt sofort in Panik zu verfallen.