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Mein erstes Mal

Nachdem ich gerade eine positive Rückmeldung auf meinen letzten Beitrag meiner wahrscheinlich treusten Leserin, Evi, gelesen habe, wird es Zeit, einen neuen Blogbeitrag zu schreiben. 

Heute möchte ich offen über mein erstes Mal sprechen.

Ich weiß, das ist ein sensibles Thema und viele trauen sich nicht, darüber zu reden. Dabei ist es gar nicht so kompliziert. Man muss nur wissen, wie man es richtig angeht. Ich werde versuchen, alles so plastisch wie möglich zu schildern. Wie ich mich vorbereitet habe, was man mitbringen sollte, wie viel es kostet und warum man am Anfang manchmal einfach nur ratlos ist. Billig empfand ich es nicht. Ehrlich gesagt hatte ich keine Lust, Preise zu vergleichen. Ich entschied mich für das Angebot, das in meiner Nähe war.

Unter uns gesagt war ich leicht nervös. Ich wusste nicht, wie lange es dauern würde und ob ich vielleicht sogar beobachtet werde. Ich wollte nichts falsch machen und mich auch nicht zu blöd anstellen.

Ich hatte keine Ahnung, wo ich anfangen soll. Es gab so viele Möglichkeiten und ich wollte bloß nichts Verkehrtes drücken. Mir ging auch durch den Kopf, wie viele hier wohl schon angefasst haben und ob sich dadurch vielleicht Bakterien gesammelt haben.

Als es dann endlich losging, hat es zuerst nur gerumpelt und geschüttelt. Ich wusste nicht, ob das normal war. Ich musste mich erst einmal herantasten, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Nach ein paar Minuten merkte ich, dass ich viel entspannter wurde. Es lief dann einfach. Zwischendurch fragte ich mich, ob ich zu ungeduldig war.

Zum Schluss musste ich nur noch warten, bis alles wieder trocken war. Ich war überrascht, wie lange das dauerte. Beim nächsten Mal wird es bestimmt schon leichter. Jetzt wusste ich ja, wie es ging.

Aber einmal von Anfang an.

Ich hatte für das erste Mal einen Sonntag gewählt und war früh aufgestanden. Lust hatte ich zunächst nicht, aber es konnte ja nicht schaden, etwas Neues kennenzulernen. Warum kauft man sich auch eine Daunenjacke, dachte ich.

Ich ging also mit meiner Tasche und meinen Bällen durch die Straße. Für den Weg hatte ich etwa zehn Minuten eingeplant und überlegt, auf dem Rückweg Brötchen zu kaufen. Sicherlich hätte ich dann Hunger.

Wer mich jetzt vielleicht beneidet, weil er auf mein heutiges Titelfoto geschaut hat, den muss ich leider enttäuschen. So wie auf dem Foto sah es nicht wirklich aus.

Als ich den Waschsalon betrat, schaute ich mich um. Ein Mann in meinem Alter und eine Dame waren bereits zugange. Es war sauber, aber kein Ort, an dem man sich richtig wohlfühlt. Ich sah mir die vielen Hinweisschilder an und blieb an einem längeren Text hängen.

Die Überschrift lautete: Waschmaschinen klagen an. Zusammengefasst stand dort, dass die Maschinen endgültig die Schnauze voll haben. Sie würden überfüttert, falsch bedient, mit Nägeln, Schlüsseln und Handyladekabeln gefüttert und sollten dann auch noch dankbar sein. Wenn sie sich übergeben, also wenn Wasser ausläuft, seien sie selbstverständlich schuld. Wenn jemand Dreck macht, natürlich auch. Manche Besucher würden die Maschinen anschreien und beschimpfen. Zum Glück gebe es aber auch nette Nutzer.

Die Maschinen baten am Ende um ein bisschen Respekt und darum, den Waschraum so zu verlassen, wie man ihn vorgefunden hat.

Ich dachte nur, wow, dieser Waschsalon hat schon einiges erlebt. Damit mein erstes Mal ein Erfolg wird, beschloss ich, einfach um Hilfe zu bitten.

Mit einem Hundeblick wandte ich mich an die Dame und sagte, dass das, was sie da macht, sehr professionell aussieht und ob sie helfen könnte. Sie erklärte mir kurz das Vorgehen. 1,50 Euro in den Automaten werfen, die Nummer des Gerätes drücken, die Daunenjacke nicht in eine Waschmaschine werfen, sondern in einen der Trockner auf der anderen Seite, Start drücken, am besten mittlere Temperatur. Klang simpel.

Zum Glück hatte ich meine Lesebrille dabei. Ich warf das Kleingeld ein, drückte die Nummer und ging zum Trockner. Als ich die Jacke hineinwerfen wollte und es nicht funktionierte, mussten die Dame, der Mann und ich lachen. Die Maschine zu öffnen wäre eine gute Idee gewesen. Durch die riesige Scheibe sieht das Ding tatsächlich aus, als wäre es offen. Ich überspielte meinen Fehler, öffnete die Maschine, warf die Jacke hinein, dann die Tennisbälle und los ging es. Der Trockenvorgang dauerte zwölf Minuten.

Ich schaute mich weiter um. Rauchen war verboten, Obdachlose waren scheinbar unerwünscht, Müll sollte mitgenommen werden. Die Räumlichkeiten waren ordentlich. Ein paar Maschinen waren defekt und beschriftet. Ich wanderte ein wenig hin und her. Zwölf Minuten können wirklich lang sein.

Als die Zeit um war, öffnete ich neugierig die Maschine. Die Jacke fühlte sich trocken an. Wie meine Mama es beschrieben hatte, schüttelte ich sie ausgiebig. Ich legte sie zusammen, nahm die Tennisbälle und machte mich auf den Weg nach Hause.

Die Brötchen kaufte ich übrigens nicht. Es war mir zu voll und ab und zu nicht zu frühstücken tut meinem Bauchfett sicher gut. Zu Hause musste ich allerdings feststellen, dass ich vielleicht doch noch eine Verlängerung hätte buchen sollen. An den Bündchen war die Jacke noch feucht. Ich schüttelte und knetete sie wie beim Betten ausschütteln und hängte sie auf einen Bügel. Die KI hatte empfohlen, sie nicht direkt auf die Heizung zu legen, da sonst die Federn verklumpen. Da hatte meine Mama wieder einmal recht.

Den ganzen Abend knetete und schüttelte ich.

Abschließend kann ich sagen, mein erstes Mal im Waschsalon war ok, aber eindeutig verbesserungswürdig. Aber einmal ist ja immer das erste Mal.

An meine Mama gerichtet. Bitte keine Daunenjacken mehr kaufen. Das ist wirklich zu kompliziert.