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Müllentsorgung

Als ich am Wochenende ein bestimmtes Dokument auf meinem Computer suchte, wurde ich mit der Zeit immer angespannter.

Ich hasse Suchen, egal wo. Natürlich gibt es eine Suchfunktion, die alles in Millisekunden findet. Dazu sollte man aber zumindest einigermaßen wissen, was man denn genau sucht beziehungsweise wie dieses Dokument in etwa heißt. Ohne den Namen wird es schwierig.

Es scheiterte bei mir in diesem Moment bereits daran, den richtigen Ort zu finden. Ist es auf dem Rechner, auf der externen Festplatte, wenn ja, auf welcher, habe ich es nur auf dem Stick oder auf der Speicherkarte?

Da fiel mir wieder einmal auf, dass man teilweise eine totale Unordnung hält. Statt alles ordentlich zu beschriften und genau zu überlegen, wo man was speichert, knallt man alles, also ich zumindest manchmal, erst einmal irgendwo hin, um es dann zum richtigen Zeitpunkt ordentlich und systematisch abzulegen.

Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Nie? Oder doch vielleicht in dem Moment, wenn man seine Daten das erste Mal sichert? Muss dann komischerweise immer schnell gehen. Würde man sich etwas mehr Zeit nehmen, würde dieser Zeitaufwand beim Suchen wiederum Zeit sparen.

Ich weiß es, du weißt es, eigentlich weiß es jeder, aber nicht jeder handelt danach. Ich glaube nicht, dass ich da eine Ausnahme bin. Das hat auch keinesfalls etwas mit Faulheit zu tun, oder doch?

Bequemlichkeit und dieses unverbesserliche Gefühl des Zeitmangels sind es bei mir.

Wie auch immer, mir fiel dabei auf, was für alte Ordner, Dokumente, Screenshots, Bilder und weiterer Datenmüll auf meinen Festplatten vor sich hin gammelt. Das muss unbedingt mal bereinigt werden, sagte ich zu mir selbst.

Ich griff in den Schrank meines Schreibtisches, um mir eine kleine Nervennahrung zu gönnen. Meistens widerstehe ich dann dem Gelüst und hole mir stattdessen ein Stück Obst aus der Küche, aber meistens ist ja nicht immer.

Bei dem Versuch, meinen Schokoriegel zu greifen, fielen ein Dutzend Zettel aus dem Schrank. Stimmt, dachte ich, die wollte ich doch schon lange wegsortieren. Es gibt neben der Eigenschaft des Suchens auch noch andere Dinge, die ich hasse. Dazu gehört es auch, Papiere zu sortieren und wegzuheften. Ja, wir sind noch nicht vollständig digital. Wir haben tatsächlich auch noch ein paar Ordner mit Dokumenten.

Ich legte den kleinen Stapel Papiere schnell wieder in den Schrank und bekam bei dem Gedanken, sowohl die Daten auf dem Computer als auch die Papiere endlich mal durchzusortieren und den überflüssigen Teil zu entsorgen, spontan Kopfschmerzen.

Nun bin ich kein Freund von Medikamenten, aber für den Fall, dass es schlimmer werden würde, wollte ich vorsichtshalber in der Medikamentenschublade schauen, ob zur Not eine Kopfschmerztablette da war.

Die Frage konnte ich nicht sofort beantworten, da mir eine Menge Medikamente entgegenlachten. Ich überflog, was wir so im Angebot haben, und stellte fest, dass bereits einige abgelaufen waren. Bis vor einer Weile haben wir diese dann immer in der Apotheke abgegeben, aber ich meine mich zu erinnern, dass sie dort gar nicht mehr angenommen werden und stattdessen im Hausmüll entsorgt werden.

Ich überlegte kurz und beschloss, mir ohne Medikamente an der frischen Luft die Beine zu vertreten. Zumindest war es endlich mal trocken draußen, nicht ganz so kalt und noch hell.

Als ich meine Schuhe aus dem Schuhschrank zog, schaute ich eine Weile hinein. Wie viele von denen hatte ich lange nicht mehr an? Ich vermutete bestimmt die Hälfte. Irgendwie hat man doch immer seine drei oder vier Paar Lieblingsschuhe an.

Auch hier kann mal aussortiert werden. Aber wohin mit den Schuhen? Die Container wurden größtenteils abgebaut, für den Müll sind sie noch zu schade. Ich zog eine nach der anderen aus dem Schrank und machte Nägel mit Köpfen. Die, bei denen ich überzeugt war, dass ich sie nicht vermissen würde, steckte ich in eine große Tasche.

Wenn auch nicht direkt mehr um die Ecke, gibt es in unserer näheren Umgebung schon noch einen Kleidercontainer. Und dahin war es ein guter Spaziergang und ich hatte ein Ziel.

Direkt daneben ist auch ein Glascontainer, also war ich so schlau, den Glasmüll aus dem Keller gleich mitnehmen zu wollen.

Ich schaute mich im Keller um und überlegte, ob wir tatsächlich alles noch brauchten. Auch hier sah ich eine Menge, die entsorgt werden könnte oder eher gesagt müsste.

Glas weg, Schuhe weg, saß ich wieder am Schreibtisch und dachte darüber nach, wie viel Prozent der Dinge, einschließlich der Daten auf dem Computer, dem Handy, dem Tablet und dem Fernseher, man wirklich benötigt und was man nie vermissen würde, was gar nicht auffällt, wenn es nicht da wäre.

Ich hatte plötzlich keine Lust mehr auf diese Überlegungen, weil es mich irgendwie nervte. Ich schaltete den Rechner aus, setzte mich ins Wohnzimmer und machte dafür den Fernseher an. Ich hatte am Tag zuvor sehr spät abends eine interessante Dokumentation gesehen und aufgrund der späten Stunde den Rest aufgenommen.

Als ich in meine Aufnahmen schaute, waren die Kopfschmerzen, die durch die frische Luft tatsächlich verschwunden waren, schlagartig wieder da. Auch hier hatten sich eine Menge Sendungen gesammelt.

Statt mich zu ärgern und die Dokumentation zu suchen, schaltete ich auf einen der Streamingdienste. Irgendetwas zur Entspannung aus meiner Watchlist musste nun her. Aber auch da war es wieder, dasselbe Problem. Unzählige bereits gesehene und nicht gesehene Serien und Filme lachten mich an.

Nicht falsch verstehen, nicht dass ihr jetzt einen falschen Eindruck erhaltet. Wir sind schon ordnungsliebende Menschen, hassen Unordnung und es schaut auch eigentlich fast immer sehr ordentlich bei uns zu Hause aus, aber es sammelt sich eben doch einiges an.

Egal, ob man es anfassen kann oder ob es digital ist. Müll ist Müll. Und statt immer gleich aufzuräumen, schiebt man es vor sich her und wartet auf den richtigen Zeitpunkt.

Erkenntnis des Tages: Der Zeitpunkt ist jetzt.