Unglaublich
Egal, welches Bild ich mir von den drei Versionen anschaue, keine möchte ich wahr werden lassen.
Aber weder ein UFO noch einen Atompilz würde ich für die Zukunft ausschließen. Der Dino ist da eher am unwahrscheinlichsten.
Die Bilder sehen, wie ich finde, ziemlich realistisch aus. Und sie zu erstellen, hat mich vielleicht fünf Minuten gekostet. Unglaublich, oder?
Schon wieder muss ich diesen Satz schreiben: In der Vergangenheit waren viele Dinge unglaublich, die heute völlig normal und teilweise sogar banal sind.
In Science-Fiction-Filmen gab es früher Menschen, die sich per Bild unterhielten. Heutzutage ist das selbstverständlich. Wenn man unterwegs telefonieren wollte, konnte man damals nicht einfach sein Smartphone aus der Tasche ziehen. Und dieses Smartphone ist heute sogar ein Supercomputer im Vergleich zu der damaligen Technologie.
Während man früher mit riesigen Straßenkarten den Weg suchte, sagt man heute einfach nur: „Hey Siri, wie komme ich nach Hause?“ Dass man einmal Dinge mit einem 3D-Drucker ausdrucken, sein Fernsehprogramm selbst gestalten, das Auto autonom fahren lassen und sich mit einem Lautsprecher namens Alexa unterhalten kann, das war damals unvorstellbar.
Auch gleichgeschlechtliche Ehen, Frauen in Führungspositionen, Väter in Elternzeit, Organtransplantationen, Onlineshopping, Elektroautos, vegane Supermärkte, digitales Bezahlen, Billigflüge für jedermann und ein schwarzer US-Präsident, all das hätte man sich vor einigen Jahrzehnten kaum vorstellen können.
All das hat sich dramatisch verändert. Während diese Dinge damals unglaublich waren, gab es früher vieles, dem man einfach glauben konnte. Wenn etwas in den Nachrichten berichtet wurde, galt es als zuverlässig. Wenn etwas in der Zeitung stand, steckte meist auch etwas dahinter. Wenn sich Politiker äußerten, ok, schlechtes Beispiel.
Aber es gab Menschen, denen man blind vertrauen konnte. Was man schwarz auf weiß sah oder sogar anfassen konnte, war echt. Ich würde behaupten, damals war viel mehr wahr als unwahr. Man musste nicht ständig darüber nachdenken, ob jemand einen über den Tisch ziehen wollte oder ob jemand vielleicht Böses im Schilde führte. Klar, es gab immer Menschen, die sich für schlauer hielten als andere und „einem etwas vom Pferd erzählten“.
Heute ist es anders. Man kann sich bei nichts mehr sicher sein, bei gar nichts. Und glauben kann man eigentlich auch nichts mehr.
Neulich bestellte ich zwei Dinge in einem Onlineshop. Das eine sollte mit Hermes geliefert werden, das andere mit DHL. Ja, ich weiß, umwelttechnisch nicht ideal, aber beides zusammen gab es leider nicht.
Ein paar Tage später schaute ich auf mein Smartphone. Ich erhielt eine Nachricht von Hermes: „Leider konnten wir Sie nicht erreichen. Bitte vereinbaren Sie mit uns einen neuen Liefertermin. Klicken Sie auf den unten stehenden Link und teilen uns mit, wann das Paket erneut zugestellt werden soll.“
Verdammt, dachte ich. Ich habe den Paketfahrer verpasst und wollte gerade auf den Link klicken. Doch irgendetwas war seltsam. Die Nachricht sah auf den ersten Blick original aus, aber irgendwie stimmte etwas nicht. Also schaute ich auf der Seite des Händlers nach und stellte fest, dass das Paket noch gar nicht verschickt wurde. Ein Klick auf den Link und wenn man Pech hat, fängt man sich vielleicht ein Virus ein. Natürlich kaum möglich bei meinem iPhone, aber trotzdem.
Am selben Tag erhielt ich eine Nachricht von DHL. Auch hier hieß es, der Paketfahrer habe mich nicht erreicht. Und ja, ich erwartete tatsächlich ein Paket von DHL. Aber auch dieser Link sah verdächtig aus und auch diese Nachricht war nicht echt. Zufall, dass ich gerade an dem Tag zwei solche Nachrichten bekomme, an dem ich wirklich auf Pakete dieser beiden Logistikunternehmen warte?
Wenn bei uns zu Hause das Telefon klingelt und ich die Nummer nicht kenne, gehen bei mir schon alle Alarmglocken an, eigentlich traurig. Wenn sich dann der Anrufer auch noch als Mitarbeiter meiner Bank vorstellt, werde ich erst recht misstrauisch. Ehrlich gesagt lege ich dann meistens direkt wieder auf. Sollen die das doch schriftlich machen. Vielleicht war es wirklich ein Mitarbeiter der Bank. Ich frage mich, wie viele Menschen einfach auflegen, bevor der Anrufer überhaupt sagen kann, worum es geht.
Bei uns haben eine Zeit lang regelmäßig angebliche Mitarbeiter der Telekom an der Tür geklingelt. Manchmal bin ich tatsächlich darauf hereingefallen und habe die Tür geöffnet, weil ich dachte, es wäre ein Nachbar oder eine Nachbarin, ohne vorher durch den Spion zu schauen. Natürlich war es kein echter Telekom-Mitarbeiter, sondern jemand, der Telekom-Produkte verkauft. Das ist ein Unterschied. Teilweise waren die sogar ziemlich aufdringlich.
Vor kurzem habe ich ein Video auf Social Media gesehen. Darin wurde eine junge Frau entführt, sie bat um Lösegeld. Später stellte sich heraus: Sie war zwar im Video zu sehen und es war auch ihre Stimme, aber sie hatte es nie aufgenommen. Das Video war komplett von künstlicher Intelligenz erstellt worden.
Künstliche Intelligenz, ein Kapitel für sich. Eigentlich kann sie alles. Sie kann dir jede Frage beantworten, sie kann dir Bilder erstellen, die absolut echt wirken und doch nicht echt sind.
Auch Lehrer stehen heute vor einem echten Problem. Hat der Schüler den Aufsatz wirklich selbst geschrieben? Hat die Schülerin ihn zu Hause verfasst? Oder hat die KI ihn erstellt? Wenn man heute im Fernsehen die Nachrichten sieht, wird häufig gesagt: Die Angaben lassen sich nicht hundertprozentig überprüfen. Man sieht Häuser explodieren, man hört Menschen schreien, aber man weiß gar nicht, wo und wann das stattgefunden hat. Ist das wirklich in dem Land, das genannt wird? Und wenn ja, war es gestern oder vor fünf Jahren?
Wir alle wollen den Fortschritt und jetzt haben wir ihn. Doch nichts, wirklich gar nichts, kann man heutzutage noch bedenkenlos glauben. Und überprüfen können wir es meistens auch nicht. Wir müssen also mit offenen Augen durchs Leben gehen und hoffen, dass wir den Menschen, denen wir vertrauen, auch wirklich vertrauen können.
Wir haben die Büchse der Pandora geöffnet. Jetzt müssen wir damit leben.
Ich bin sehr froh, dass ich noch genügend Menschen in meinem Leben habe, denen ich blind vertrauen kann. Aber ich merke, diese Zahl wird immer kleiner.
Eine traurige Entwicklung.


