Weihnachten 2025
Das Jahr 2025 markiert das zweitausendfünfundzwanzigste Mal, dass Weihnachten gefeiert wird. Eine stolze Zahl, wenn man kurz innehält und darüber nachdenkt.
Meine persönliche Anzahl an Weihnachtsfesten ist mittlerweile tatsächlich auch recht beachtlich. Und wenn ich zurückblicke, stelle ich fest, dass eigentlich jedes einzelne Weihnachten anders verlaufen ist. Wahrscheinlich geht es den meisten Menschen ähnlich. Die Erinnerungen aus der Kindheit, als man es kaum erwarten konnte, endlich die Geschenke auszupacken, als man nach den Feiertagen draußen bei einer Schneeballschlacht schon wieder an die neuen Spielsachen dachte, gehören sicherlich zu den schönsten.
Mir fallen unzählige Geschenke aus all den Jahren ein. Nicht immer kamen alle Geschenke gut an. Weder bei einem selbst noch bei anderen. Aber das waren zum Glück eher Ausnahmen. Wenn ich ehrlich darüber nachdenke, war die Quote doch erstaunlich gut.
Es war die Zeit, in der man stundenlang durch Geschäfte gezogen ist, um für seine Lieben genau das Richtige zu finden. Wenn man dann endlich alles zusammenhatte, wurden die Geschenke zu Hause heimlich eingepackt. Ich war nie jemand, der andere gerne für sich einpacken ließ, auch wenn sie das oft deutlich besser konnten als ich. Aber selbst wenn es krumm oder schief war, es war persönlich und mit Liebe und Geduld eingepackt.
Tesafilm war genau dann fast aufgebraucht, wenn man ihn dringend brauchte. Oder der Abroller hatte eine so stumpfe Schnittkante, dass man immer wieder daran herumziehen musste und sich wünschte, man hätte noch eine Hand mehr zur Verfügung.
Was für schöne Erinnerungen.
In diesem Jahr waren viele Menschen kurz vor Weihnachten krank. Zum Glück nichts Ernstes, aber dennoch äußerst unangenehm. Erkältungen oder Magen Darm Probleme schienen besonders weit verbreitet zu sein und auch ich war für ein paar Tage außer Gefecht gesetzt.
Am Heiligabend war ich jedoch weitestgehend wieder fit. Schließlich wartete ein leckeres Essen auf mich und auch an den Weihnachtstagen sah es nicht anders aus. Da ist ein angegriffener Magen wirklich fehl am Platz.
Und auch wenn wir das ganze Jahr über versuchen, ungesunde Dinge möglichst zu vermeiden oder zumindest stark zu reduzieren, darf man an Weihnachten auch einmal über die Stränge schlagen.
Das Angebot ist einfach zu groß, um komplett darauf zu verzichten. Hier ein paar Kekse, dort etwas Schokolade, der leckere Eierpunsch, die knusprige Ente, ein Glas Rotwein. Aber nach den Feiertagen ist damit natürlich wieder Schluss.
In diesem Jahr hatte ich mir tatsächlich vorgenommen, Heiligabend wieder einmal in die Kirche zu gehen. Ich kann mich kaum an meinen letzten Weihnachtskirchgang erinnern, was ich mir nur ungern eingestehe. Das muss gut zwanzig Jahre her sein oder vielleicht sogar noch länger. Doch in diesem Jahr fühlte es sich einfach richtig an.
Nicht, weil man es eben so macht. Sondern weil ich das Gefühl hatte, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist.
Einer der Gründe, warum ich so lange nicht mehr in der Kirche war, lag an der besonderen Stimmung an diesem Abend. Und das meine ich keineswegs negativ. Ganz im Gegenteil. Die Atmosphäre ist friedlich und tief ergreifend. Genau darin liegt für mich die Herausforderung. Weihnachtslieder, traditionelle deutsche Weihnachtslieder gemeinsam mit anderen Menschen zu singen, ist für mich emotional kaum zu bewältigen.
Maximal die Lippen zu bewegen ist das Höchste der Gefühle. Einen Ton bekomme ich in diesen Momenten einfach nicht heraus. Ich bin zu ergriffen. Diese emotionale Überwindung fällt mir in den letzten Jahren sogar noch schwerer als früher. Trotzdem versuchte ich, mir keinen Kopf darüber zu machen, hakte meine Mama und meine Frau unter und wir nahmen unsere Plätze ein.
Schon beim Erklingen der Glocken steigt mein emotionaler Pegel spürbar an. Das ist fast immer so, unabhängig vom Anlass. Mit den ersten Orgeltönen bin ich den Tränen bereits wieder näher, ohne es bewusst zu wollen.
Der Pastor, den wir bereits kannten, sogar ich kannte ihn, stellte einen jungen Mann vor, der sich erst im Erwachsenenalter dazu entschlossen hatte, sich vor Kurzem konfirmieren zu lassen. Anschließend las er die Weihnachtsgeschichte vor. Ich fand es schön zu hören, dass jemand diesen Weg ganz bewusst und aus freien Stücken geht.
In den meisten Fällen entscheiden die Eltern darüber. Mehr oder weniger selbstverständlich geht ein Kind zum Konfirmandenunterricht. Früher war das ganz normal. Nur die wenigsten aus meinem Jahrgang haben sich bewusst dagegen entschieden. Schließlich wollte man auch die Geschenke oder das Geld gerne mitnehmen. Was diese Entscheidung wirklich bedeutete, konnte man damals kaum einschätzen.
Natürlich wurde auch an diesem Heiligabend viel gesungen. Und natürlich hatte ich mir im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, was man für einen Kirchenbesuch benötigt. Eine Lesebrille wäre sinnvoll gewesen und etwas Geld für die Kollekte. Also musste ich meine Frau um Kleingeld bitten und meinen Arm so weit wie möglich ausstrecken, um die Liedtexte halbwegs scharf lesen zu können.
Ein Taschentuch benötigte ich übrigens nicht erst am Ende, als Stille Nacht gesungen wurde.
Für mein innerstes Ich und für mein Herz war dieser Kirchenbesuch ein sehr erfüllendes Erlebnis. Mit anderen, völlig fremden Menschen an einem Ort des Friedens zu sein, gemeinsam Hoffnung zu spüren, die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod wieder einmal zugesprochen zu bekommen, die besondere Energie im Raum wahrzunehmen, die Nähe zu meinen beiden Lieblingsmenschen zu fühlen und sogar die schiefen Töne meiner Frau beim Singen zu hören, all das war für mich etwas ganz Besonderes.
Auch wenn ich selbst die meiste Zeit nur meine Lippen bewegte, weil meine Stimme immer wieder versagte, hat mir dieser Abend große Freude bereitet. Trotz aller Emotionen. Oder vielleicht gerade deshalb. Diese Momente gemeinsam mit anderen Menschen zu teilen, fühlte sich unglaublich wertvoll an.
Als sich am Ende plötzlich alle Menschen gegenseitig, Reihe für Reihe, frohe Weihnachten wünschten, war ich kurz erschrocken. Aber auf eine schöne Art. Daran konnte ich mich gar nicht mehr erinnern.
Wie schön kann es sein, wenn die Welt um einen herum für wenigstens einen Moment still wird. Wenn Unterschiede verschwinden. Wenn fremde Menschen einander nahe sind. Wenn man spürt, dass man Teil von etwas Größerem ist.
Für mich war es die Gemeinschaft des Glaubens, das Zusammensein mit Menschen, die ich nicht kenne und die mir in diesem Augenblick dennoch vertraut waren. Es war die Nähe meiner Mama und meiner Frau, meiner beiden Lieblingsmenschen, die diesen Moment vollkommen gemacht haben. Inmitten von Gesang, Emotionen und stiller Hoffnung fühlte ich mich angekommen. Getragen. Verbunden.
Dieser eine Abend hat mir gezeigt, wie kraftvoll Gemeinschaft sein kann. Wie gut es tut, gemeinsam zu glauben, gemeinsam zu fühlen und einfach gemeinsam da zu sein.
Im nächsten Jahr ist ein erneuter Kirchenbesuch an Heiligabend in meinen Gedanken bereits fest eingeplant. Vielleicht geht es euch ja ähnlich wie mir und es ist schon lange her.
Ich finde, es ist einen Versuch auf jeden Fall wert.