Wenn heute doch nur gestern wäre

Schaut Euch mal mein heutiges Foto zu meinem neuen Blogbeitrag an. Was seht Ihr darauf?

Drei kleine Mädchen, von denen die Mittlere freundlich in die Kamera lacht. Das linke Mädchen lächelt, das rechte grinst leicht verschmitzt und schaut etwas schüchtern. Da alle barfuß sind und nur leichte, sommerliche Kleidung tragen, zumindest zwei von ihnen, kann man davon ausgehen, dass das Bild in einer warmen Jahreszeit aufgenommen wurde. Das Haus im Hintergrund wirkt nicht wirklich einladend, und auch der Stacheldraht rechts macht einen eher abweisenden Eindruck. Gehalten wird das Foto vermutlich von einer Frau, die deutlich älter ist als die drei heranwachsenden Mädchen. Das Gebäude hat sich kaum verändert.

Geschichten, die in einem Foto stecken
Da ich eine sehr blühende Fantasie besitze, wäre meine Vermutung, dass es sich vielleicht um ein Internat handelt und die Frau mit dem dunkelroten Nagellack, die ich auf ein mittleres Alter schätze, an diesen Ort zurückgekehrt ist, um in die Vergangenheit zu reisen. Um zu erkunden, ob das Gebäude noch genauso steht und um den Moment, als das Foto entstand, noch einmal Revue passieren zu lassen.

Vielleicht war es eine herausfordernde Zeit für sie. Vielleicht waren es ihre besten Freundinnen, zu denen sie immer noch Kontakt hat. Oder eine oder sogar beide dieser Mädchen sind kein Teil mehr ihres Lebens. Der Kontakt ist abgerissen, wie es im Laufe eines Lebens so oft geschieht. Vielleicht weilt auch eine der beiden nicht mehr unter uns.

In welchem Land steht das Gebäude? Wann ist das Foto entstanden? Hat das Haus eine tragende Rolle in ihrem Leben gespielt? Wer sind die drei Mädchen und was ist aus ihnen geworden?

Vielleicht stellt Ihr Euch beim Betrachten auch ähnliche Fragen. Habt Ihr selbst alte Fotos, die Euch sofort zurück in die Vergangenheit ziehen?

Vom Plan zum unerwarteten Gedanken
In dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, bin ich fast versucht, Anita Jankovic, die für das Foto steht, einfach zu fragen, was es damit auf sich hat. Und eigentlich hatte ich für den Blogbeitrag etwas ganz anderes geplant.

Aber genau das ist für mich das Schöne am Schreiben. Ich schaue auf meinen Spickzettel und gehe meine Notizen durch, die ich mir immer mal wieder mache, zu jeder Tageszeit, an jedem Ort. Wenn ich über das nächste Thema nachdenke, schreibe ich mir kurze Gedanken auf. Nach und nach versuche ich dann, die Überschrift, die in meinen Gedanken existiert und mich von der leeren Seite aus anblickt, mit einer Geschichte zu füllen.

Kennt Ihr das auch, dass eine kleine Inspiration plötzlich alles umwirft, was man sich vorher vorgenommen hatte?

Die Gegenwart spiegelt die Vergangenheit
Meine heutige Überschrift beschreibt einen Teil meines Lebens. Passend dazu habe ich das Wort „Vergangenheit“ auf der Seite Unsplash eingegeben. Das ist eine Plattform, auf der man Bilder kostenlos nutzen darf. Denn auch im Internet ist alles reglementiert. Es kann schnell passieren, dass man ein Foto oder ein Zitat verwendet und sich damit großen und teuren Ärger einhandelt. Deshalb muss man als Blogger oder generell als jemand, der im Internet aktiv ist, sehr gut aufpassen, was man veröffentlicht.

Stimmungen und Gefühle
Eine meiner treuen Stammleserinnen schrieb mir neulich, dass ihr aufgefallen ist, dass meine Beiträge in letzter Zeit eine gewisse Traurigkeit und auch Wut spüren lassen und sie oft nachdenklich machen.

Ich habe darüber nachgedacht und muss ihr recht geben. Ja, in letzter Zeit trage ich viel Wut in mir und auch oft eine gewisse Melancholie, tatsächlich manchmal auch Traurigkeit. Und das hat nicht nur mit dem schlechten Sommer und der beginnenden dunklen Jahreszeit zu tun.

Es hat mit dem Leben zu tun, mit Veränderungen. Mit Ungerechtigkeiten und der Ignoranz vieler Menschen. Mit Wertschätzung, Freundschaften, Oberflächlichkeiten, Profitgier und einer sich verändernden Gesellschaft. Jedes einzelne Thema wäre locker einen eigenen Beitrag wert.

Geht es Euch auch so, dass Ihr manchmal das Gefühl habt, dass die Welt härter und oberflächlicher geworden ist?

Dennoch bleibt Hoffnung
Bitte nicht falsch verstehen, ich bin nach wie vor ein positiver Mensch und liebe mein Leben so, wie es ist. Mein Glas ist eigentlich immer eher halb voll als halb leer. Vielleicht ist es ein Reifeprozess, den man im Laufe des Lebens durchläuft. Wobei ich eher das Gefühl habe, dass viele diesen Prozess nicht mehr gehen, sondern auf der Stelle treten oder sich sogar rückwärts bewegen.

Zum Glück habe ich Menschen um mich herum, die mir wahre Freude bereiten und aus meinem Leben nicht wegzudenken sind. Das müssen nicht immer enge Freundschaften, Partner oder Familie sein. Sie sind natürlich der Halt, das Gerüst, sie sind wie mein Atem, der mich seit meiner Geburt ununterbrochen begleitet. Nein, ich meine auch die Menschen im Umfeld, die man einfach mag, die man ins Herz geschlossen hat, mit denen man sich nur ab und zu austauscht und von deren Leben man nur einen kleinen Teil kennt. Auch diese Kontakte sind wichtig.

Habt Ihr auch solche Menschen in Eurem Leben, die Euch ohne große Nähe dennoch bereichern?

Über Verluste und Neubeginn
Wenn man über die Welt nachdenkt, reicht oft schon ein Blick ins eigene Umfeld, um viele Situationen und Veränderungen zu sehen, die nachdenklich machen. Schnell gerät man in eine Lethargie, aus der man sich möglichst bald wieder befreien sollte.

Das Schlimmste ist, wenn eine Veränderung eintritt, die man nicht beeinflussen kann und die einschneidend für das weitere Leben ist. Sicherlich haben viele von Euch so ein Erlebnis schon gehabt oder werden es erleben. Es bleibt keinem erspart. Und dann denkt man zurück und stellt fest, wie gut das Leben zuvor war. Es war vielleicht nicht zu hundert Prozent so, wie man es sich gewünscht hätte, aber im Vergleich zum neuen Lebensabschnitt war es fantastisch.

Spätestens dann denkt man an meine Überschrift und wünscht sich die Zeit zurück.

Fazit
So, liebe Evi, schon wieder ein Beitrag zum Nachdenken. Aber das Ergebnis und das, was ich mit meinen Gedanken sagen möchte, ist: Genieße den Moment, jetzt und hier. Er kommt nicht zurück. Genieße den Regen, die Dunkelheit, genieße einfach, dass Du lebst. Mit all seinen Herausforderungen ist das Leben, so wie es in diesem Augenblick ist, gut zu Dir. Es könnte viel schlimmer sein. Schöpfe Energie aus den positiven Momenten, die es ganz sicher auch in Deinem Leben gibt. Manchmal ist man aber nicht in der Lage, auch wenn man es gerne möchte, diese guten Dinge zu sehen.

Das Leben besteht aus Herausforderungen. Aber genau die machen uns stark, sie lassen uns immer wieder aufstehen, egal wie oft wir fallen. Vielleicht ist es sogar Deine Aufgabe, dem Menschen in Deiner Nähe, der es allein nicht schafft, wieder auf die Beine zu helfen.

Das Leben kann schön sein, das Leben ist schön. Man muss nur lernen, es von der richtigen Seite zu betrachten.

PS: Vielleicht schreibe ich tatsächlich Anita Jankovic an, die mich mit ihrem Foto inspiriert hat, um zu erfahren, was dahinter steckt. Vielleicht gibt es dann einen eigenen Beitrag dazu. Vielleicht haben diese drei Mädchen ein schönes Leben. Ich werde berichten.