Wieder ein besonderer Tag
Als ich mir die Überschrift für meinen heutigen Blogbeitrag anschaute, zweifelte ich kurz an ihrer Richtigkeit.
Gibt es überhaupt besondere Tage? Ist nicht eigentlich jeder Tag besonders? Ob besonders schön oder besonders unerquicklich, ist eine andere Frage. Aber jeder Tag, an dem wir morgens die Augen öffnen, ist doch ein besonderer Tag.
Denn tausende und Millionen Tage zuvor konnten wir das nicht. Die Welt musste ohne uns auskommen. Wir waren noch nicht eingeladen, am täglichen Geschehen teilzunehmen. Kaum vorstellbar, oder? Das leicht Unheimliche daran ist, es hat niemand gemerkt und niemanden gestört. Und wenn wir eines Tages nicht mehr da sind, wird es wohl auch nur wenige wirklich stören.
Mit einem besonderen Tag verbinden wir meistens einen Geburtstag. Und ja, er ist etwas Besonderes, weil Menschen, die uns gern haben, an uns denken. Allerdings nimmt das im Laufe der Jahre aus verschiedenen Gründen oft ab.
Einer davon ist, dass der Freundeskreis mit zunehmendem Alter kleiner wird. Der Bekanntenkreis wächst vielleicht, aber das ist eben nicht dasselbe. Außerdem sind mit den Jahren immer weniger Menschen da, die uns über längere Lebensabschnitte begleitet haben.
Ein anderer Grund ist, dass man sich verändert. Man macht sich vielleicht nicht absichtlich unbeliebt, aber manchmal doch ein kleines bisschen. Je reifer man wird, desto freier sagt man seine Meinung. Man stellt fest, dass man sich in eine andere Richtung entwickelt hat als andere. Oder dass andere stehen geblieben sind. Vielleicht gilt das manchmal auch für einen selbst.
Meinungen und Interessen gehen auseinander und wenn man ehrlich ist, haben viele schon länger keine große Lust mehr auf Feiern. Uns geht es zumindest so. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig nach alt geworden, aber eigentlich ist es nur eine andere Art von Ruhe.
Wie gerne denke ich an meine Kindheit zurück. Damals konnte man seinen Geburtstag kaum erwarten. Und wehe, ich bekam etwas zum Anziehen geschenkt, dann war die Enttäuschung groß. Am besten war alles, was Batterien hatte oder aus der Steckdose kam. Ein ferngesteuertes Auto, eine Rennbahn, Hauptsache etwas zum Spielen. Ein Pullover war zwar nützlich, aber Begeisterungsstürme hat er selten ausgelöst.
Und dann wurde gefeiert. Richtig gefeiert. Alle Spielkameraden kamen und die Eltern hatten alle Hände voll zu tun. Wir spielten Verstecken, Sackhüpfen oder sortierten mit verbundenen Augen Schuhe. Eigentlich ganz einfache Spiele, aber wir hatten dabei einen riesigen Spaß. Manchmal brauchte es nicht mehr als einen Garten, ein paar Kinder und einen Kuchen, der schneller weg war als man Happy Birthday singen konnte.
Heute würde man damit wahrscheinlich kein Kind mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Heute geht es in Action Arenen. Schwarzlicht Minigolf, Bowling, Laser Tag, Flipper, Basketball, Billard, Airhockey, Darts und vieles mehr stehen auf dem Programm. Für die Eltern hat das den Vorteil, dass die Preise halbwegs kalkulierbar sind. Man zahlt einmal und vieles ist enthalten. Trotzdem kommen schnell 15 bis 35 Euro pro Person zusammen. Dazu Getränke und vielleicht noch etwas Süßes oder Salziges. Wenn man mit zehn Kindern unterwegs ist, summiert sich das schnell auf ein paar hundert Euro.
Das hätte sich in meiner Kindheit kaum jemand leisten können. Es war aber auch gar nicht nötig. Der Spaß kam ganz von allein.
Jedes Jahr stellt sich auch die Frage, was man schenkt. Ich habe schon öfter erzählt, dass wir uns am liebsten gemeinsame Zeit schenken. Ein Theaterbesuch, ein Konzert oder eine kleine Auszeit, das geht eigentlich immer. Und ganz ehrlich, das Schöne daran ist, man beschenkt sich ein bisschen selbst mit. Zeit ist am Ende das Wertvollste, was man teilen kann, auch wenn sie nie im Geschenkpapier steckt.
Viele Menschen habe ich gar nicht mehr zu beschenken. Deshalb darf es ruhig etwas Besonderes sein. Es ist genauso schön, in die Augen von Erwachsenen zu schauen, wenn sie sich ehrlich freuen, wie in die von Kindern.
Ungünstig wäre es natürlich, meiner Mama Karten für ein Konzert von Lady Gaga zu schenken oder meiner Frau für ein Fußballspiel. Damit wäre der Geburtstag wohl eher gerettet als ruiniert, allerdings nur für mich.
Apropos ruiniert. Vor ein paar Jahren waren meine Mama, mein Schwiegervater, meine Frau und ich über ein Wochenende in einem Wellnesshotel. Meine Frau hatte am nächsten Tag Geburtstag, bestand aber darauf, dass ich im Hotel kein Aufsehen darum machen sollte.
Natürlich konnte ich es nicht lassen. Ich dachte, eine kleine Lichterkette und eine Girlande wären eine nette Aufmerksamkeit, ganz ohne großes Aufsehen. Ich gab die Deko meiner Mama mit der Bitte, sie heimlich an einen Mitarbeiter zu übergeben, damit alles am nächsten Morgen an unserem Tisch platziert wird.
Der Geburtstag begann harmonisch. Geschenke wurden verteilt und kamen gut an. Wir gingen gemeinsam frühstücken. Mein Gesicht wurde allerdings etwas länger, als ich sah, dass unser Tisch völlig schmucklos war.
Ich sprach einen Mitarbeiter an, der mich zunächst nicht ganz verstand. Nach einigem Hin und Her nickte er schließlich und zeigte auf einen Tisch am anderen Ende des Raumes.
Dort saß ein Ehepaar, trank Sekt und freute sich offensichtlich über meine Lichterkette und die Girlande.
Eine ausgesprochen peinliche Situation. Ich musste also hinübergehen und erklären, dass die Dekoration leider nicht zur Hotelausstattung gehörte, sondern meine war. Etwas irritiert, aber sehr verständnisvoll, sahen sie zu, wie ich alles wieder abbaute. Mein Kopf hatte vermutlich die Farbe einer reifen Tomate.
Natürlich hatte meine Frau das mitbekommen. Sie hatte mich ja ausdrücklich gebeten, nichts dergleichen zu tun. Sagen wir es vorsichtig, sie war mäßig begeistert.
Ich legte die Deko schließlich einfach auf unseren Tisch. Kurz darauf kam eine ganze Gruppe von Mitarbeitern mit Geschirr, Sekt, Gläsern und Obst und dekorierte unseren Tisch als Wiedergutmachung. Dezent war anders, aber immerhin gut gemeint.
Im Nachhinein war es vielleicht nicht meine beste Idee.
Dabei erinnerte ich mich an meinen eigenen Geburtstag, den ich einmal mit meiner Frau in einem Hotel verbracht habe. Beim Frühstück wurde ich plötzlich mit einem kleinen Törtchen und zwei Gläsern Sekt überrascht. Mehrere Mitarbeiter standen vor mir und sangen.
Ich wusste in dem Moment nicht, wohin mit mir. Mir wurde heiß, ich bekam einen roten Kopf und alle schauten. Gleichzeitig war ich unglaublich gerührt. Und wie so oft in solchen Momenten kamen mir die Tränen. So bin ich eben.
Das war mir damals fast unangenehm und gleichzeitig ist es eine Erinnerung, die geblieben ist.
Also, wenn ich alles zusammenfasse, ist ein Geburtstag doch ein besonderer Tag. Vielleicht nicht wegen der Geschenke oder der großen Feiern, sondern wegen der kleinen Momente, die bleiben.
Lasst uns diese Tage feiern, mit Liebe, mit Freude und vielleicht auch mit einem kleinen Augenzwinkern.
Ich gratuliere allen Geburtstagskindern, die heute ihren ganz eigenen besonderen Tag haben.