Zweistundenfünfzehn

Hast Du Dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, was Du in Zweistundenfünfzehn Minuten machen kannst?

„Zweistundenfünfzehn sind drei Halbzeiten Fußball, genug Zeit für ein ganzes Spiel und eine Verlängerung.“

„Zweistundenfünfzehn sind drei Folgen einer Serie, und plötzlich bist Du tiefer drin, als Du wolltest.“

„Zweistundenfünfzehn sind ein Konzert, vom ersten Song bis zur Zugabe, bei der niemand mehr auf die Uhr schaut.“

„Zweistundenfünfzehn sind ein Filmabend ohne Pause und eine Geschichte, die Dich einmal komplett mitnimmt.“

Zweistundenfünfzehn sind aber auch genug Zeit, um in eine andere Welt zu entfliehen. Und genau das haben wir schon wieder einmal gemacht. Während sich in unserer Welt die Temperaturen und das Wetter gefühlt seit einer Ewigkeit nicht verbessert haben und die Natur erst ganz langsam aus dem Schlaf erwacht, ist es ganz in der Nähe bereits ganz anders.

Ein Flug von Hamburg zur Insel Mallorca dauert nämlich genau Zweistundenfünfzehn. Okay, auch das ist natürlich etwas wetterabhängig und kann leicht abweichen. Bei unserem letzten Flug Anfang April war es genau die Zeitspanne, die uns aus dem ungemütlichen grauen Nass in ein sonniges, grünes Paradies gebracht hat.

Im Gegensatz zu Fuerteventura, wo die Landschaft eher karg ist und wenige Farben bietet, was durchaus auch seinen Reiz hat, ist hier bereits alles in voller Blüte. Die Temperatur bei unserer Ankunft lag bei knapp 20 Grad bei strahlend blauem Himmel.

Natürlich ist man im Urlaub bei bester Stimmung, oder sollte es zumindest sein. Aber dass es so auf Knopfdruck funktioniert, ist schon erstaunlich. Die erste Luft, die man einatmet, die man auf der Haut spürt, ist etwas ganz Besonderes. Dieses Mal gefühlt doppelt schön, da sich bei uns zu Hause das Grau bereits seit Oktober eingenistet hatte.

Ein Blick auf die Uhr, es war noch keine 9:00 Uhr und wir waren bereits angekommen. Und auch wenn wir eigentlich viel zu früh im Hotel ankamen, waren unsere Zimmer schon fertig. Mehr Glück kann man kaum haben. Koffer abgestellt und raus auf den Balkon. Der Blick auf die durch den Wind schaukelnden Palmen, als würden sie uns wieder freudig begrüßen, ein weiterer Blick aufs Meer, Hand in Hand mit meinem Lieblingsmenschen, und dieses pure Glücksgefühl, das leise im Bauch kribbelt.

Das Erste, was ich in einer solchen Situation machen muss, ist, eine kurze Hose und ein T-Shirt überzuwerfen. Den Koffer erst einmal in die Ecke stellen und raus an die frische Luft, als würde der Körper genau wissen, was er jetzt braucht.

Unser Hotel liegt direkt neben einem Naturschutzgebiet, unmittelbar am Mittelmeer. Etwas abseits vom Trubel, ruhiger geht es kaum.

Und auch wenn wir bereits kurz nach 2:00 Uhr aufgestanden waren und den Schlafindex damit weit nach unten gezogen hatten, waren wir voller Euphorie. Es ist schon erstaunlich, was ein angenehmes Klima mit der Seele und dem Körper machen kann.

Während ich zu Hause auch mal froh bin, ausschlafen zu können, waren wir beide jeden Morgen, nachdem unser Wecker geklingelt beziehungsweise vibriert hatte, schon vor dem Sonnenaufgang nach einer kleinen Katzenwäsche im Naturschutzgebiet unterwegs. Und jedes Mal fühlte es sich ein kleines bisschen wie ein Geschenk an, diesen Moment so früh erleben zu dürfen.

Und auch dieses Mal war es wieder so, jeder Sonnenaufgang war ein unbeschreiblich schöner Moment. Nur ein paar wenige teilten diesen mit uns. Das Mittelmeer ist noch recht kühl und auch hier gab es teilweise sehr ungemütliche und stürmische Tage. Viel wurde aus dem Meer angespült und zum Baden hätten wir ein ganzes Stück laufen müssen.

Aber wenn das Meer am frühen Morgen für uns etwas zu weit weg war, heißt das ja noch lange nicht, dass wir nicht baden können. Schließlich gehört zur Hotelanlage ein großer Außenpool und ein warmer Innen-Wellnesspool. Der Außenpool ist jedoch nicht beheizt und daher waren wir sehr gespannt auf die Temperatur.

Bademantel aus, Zeh reingesteckt, fast abgefroren. Aber durch unseren regelmäßigen Besuch in der Kältebox bei minus 110 Grad scheinen wir abgehärtet zu sein. Während meine Frau sich schnurstracks ins kalte Nass begab und die ersten Schwimmzüge machte, musste ich auf der Treppe noch einmal kurz durchatmen und zumindest etwas Eiswasser über meinen Körper verteilen, bevor auch ich mich vollständig hineintraute. Ich muss zugeben, es war wirklich eiskalt. Nach kurzer Zeit zeigte dann auch meine iWatch die Temperatur an. 11 Grad, das ist wirklich verdammt kalt.

Umso schöner war dann natürlich der Wechsel in den Innenpool, gefühlt, als würde man in eine Wärmflasche eintauchen und für einen Moment alles um sich herum vergessen.

Die Tage nutzten wir dann erneut, um die Insel zu erkunden. Vieles kennen wir bereits, vieles haben wir neu entdecken dürfen. Es ist wirklich eine Insel, die unglaublich viel zu bieten hat. Besonders haben uns auch dieses Jahr wieder die Märkte gefallen. Auch wenn es meistens recht voll ist, ist diese besondere Atmosphäre einzigartig.

Und auch das Wandern ist ein Hochgenuss. Es sind teilweise sehr hohe Berge, die man überwinden kann. Mitten durch die Natur, an den Seiten Zitronen-, Orangen- und Olivenbäume und fast überall dieser wunderbare Duft von Orangenblüten in der Luft. In solchen Momenten bleibt man automatisch stehen, atmet einmal tiefer ein und nimmt alles ein kleines bisschen bewusster wahr. Da fällt mir immer der Text vom Lied ein: Haus am See, Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg.

Mallorca heißt für uns nicht Ballermann oder irgendwelche Hotspots zu besuchen. Mallorca sind für uns die leisen Momente, das Unaufgeregte, das, was man erst wahrnimmt, wenn man sich Zeit nimmt.

Eines der schönsten Erlebnisse dieses Urlaubs war, als wir wieder auf einem der Märkte waren und uns einfach treiben ließen. Vor einem von außen etwas unscheinbaren, aber einladenden Café machten wir halt. Eigentlich wollten wir weitergehen, als meine Frau mich doch noch hinein zog.

Man konnte hinten in einen kleinen Garten gehen, in dem einige Tische und Stühle standen. Ein Ort, der sofort Ruhe ausgestrahlt hat.

Während wir unseren Buñuelo genossen, ein kleines, rundes, frittiertes Teiggebäck, außen knusprig und innen weich, oft mit Zucker bestäubt oder süß gefüllt serviert, tranken wir dazu einen leckeren Matcha Latte. Beides gehört ab sofort zu meinen absoluten Lieblingen.

Das Besondere in diesem Moment war jedoch etwas anderes. Auf den zahlreichen Orangenbäumen saßen kleine Spatzen, unterhielten sich und sangen ihre Lieder. Es fühlte sich an wie ein ganz eigenes, kleines Konzert, nur für diesen Augenblick. Ein Moment, der ganz leise ist und gerade deshalb so tief bleibt.

Zweistundenfünfzehn entfernt und die Seele kann wieder durchatmen. Und manchmal braucht es gar nicht mehr als genau diese Zeit, um sich selbst wieder ein Stück näher zu kommen.